Der amerikanische Außenminister Kissinger ist nach Beendigung der Moskauer Gespräche zwischen dem amerikanischen Präsidenten Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnjew durch europäische Hauptstädte gereist, um die Verbündeten der USA von dem Ergebnis der Gespräche zu unterrichten. Er informierte den ständigen Nato-Rat in Brüssel, den Präsidenten der Europäischen Kommission, Ortoli, die belgische, französische, italienische Regierung – hier schloß sich eine Audienz beim Papst an. Die Gespräche mit der deutschen Regierung waren besonders ausführlich, da Kissinger die Fußballweltmeisterschaft ausnutzte, um zweimal in die Bundesrepublik zu kommen. Anschließend reiste er nach London und Madrid weiter, wo ein Abkommen über wirtschaftliche und militärische Zusammenarbeit abgeschlossen wurde.

Kissinger ging es vor allem darum, die Verbündeten der USA davon zu überzeugen, daß in Moskau nicht auf ihre Kosten verhandelt worden sei. Dabei geht es vor allem um den umstrittenen sogenannten Korb Drei der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der den freien Austausch von Personen und Informationen vorsieht.

Es wird befürchtet, daß Washington hier zu Konzessionen gegenüber Moskau bereit ist, vor allem, nachdem Nixon offensichtlich dem Drängen Breschnjews nachgegeben hat und gleichermaßen die baldige Einberufung einer Gipfelkonferenz befürwortet, deren Voraussetzung der Abschluß der KSZE-Konferenz wäre.

Während ihres Moskauer Treffens haben sich Nixon und Breschnjew nicht auf eine Kontrolle offensiver strategischer Nuklearwaffen einigen können. Das Ende Dezember auslaufende Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstung wird um drei Jahre verlängert. Bis 1985 soll die Frage von Entwicklung, Herstellung und Indienststellung von Mehrfachsprengköpfen (MIRV) geklärt sein. Einig wurde man sich nur, die Raketenabwehrstellungen von jeweils zwei auf eine zu reduzieren und künftig unterirdische Kernwaffenversuche auf eine Sprengkraft von 150 Kilotonnen zu begrenzen.