Mit einer Consulting-Firma drängt die Ruhrkohle AG ins Auslandsgeschäft

Kein blitzendes Messingschild weist auf die Firma hin. Sie wohnt bescheiden zur Untermiete bei ihrer Muttergesellschaft, der Ruhrkohle AG, und kommt mit einer Handvoll festangestellter Mitarbeiter aus. Und dennoch ist das Unternehmen weltweit beratend tätig. Wann immer nämlich die Montan-Consulting GmbH in Essen Fachleute braucht, kann sie sich diese bei der Mutter Ruhrkohle leihen.

Der Bergassessor außer Diensten Karl-Heinz Hawner, der der Montan-Consulting-Geschäftsführung vorsteht, sieht darin sogar den entscheidenden Vorteil: Wer für sein Unternehmen tätig wird, der ist kein theoretisierender Schreibtischtäter; vielmehr bringen die "Leiharbeiter" die Praxis aus ihrer Arbeit für die Ruhrkohle mit.

"Wir kennen den Bergbau der ganzen Welt", sagt Hawner. Nur über China, so schränkt er ein, wisse man, sehr wenig. Die Kenntnis des Weltbergbaus vermittelt Hawner die Überzeugung, daß die Bergbautechnik in der Bundesrepublik exportfähig ist.

So haben die USA, das Land mit den größten Kohlevorkommen dieser Erde, bisher eine Art Raubbau betrieben. Ihr Abbausystem bedingt, daß fast die Hälfte der Kohle stehen bleibt. Um nämlich Kosten für den Ausbau zu sparen, wurden immer nur Gevierte von etwa acht Metern Kantenlänge abgebaut, das nächste Geviert ließ man dann stehen.

Jetzt sind die Amerikaner dabei, sich mit der deutschen Methode des Langfrontabbaus vertraut zu machen. Das kostet zwar mehr Investitionen, aber es bringt auch fast die doppelte Kohlenmenge. Und Kokskohle ist selbst in den USA nicht im Überfluß vorhanden.

Eine höhere Ausbeute könnte auch dazu beitragen, die energiepolitische Autarkie des Landes schneller zu erreichen. Immerhin soll die Kohlenförderung von gegenwärtig gut 500 Millionen Tonnen auf rund 1,8 Milliarden Tonnen jährlich gesteigert werden. Zusammen mit der Kernkraft und dem Öl aus Ölschiefern soll die Kohlenförderung dafür sorgen, daß die USA von Energieimporten unabhängig werden.