Von Barbara von Jhering

Kaum haben sich die Gäste des Feriendorfs zum Essen gesetzt, ertönt es aus dem Lautsprecher auf Französisch: Ankündigungen, Mitteilungen, Ferien-Wichtig- und -Nichtigkeiten. Die Stimme wird lauter und schneller, eskaliert in einem langgezogenen, schneidigen "bon-appétit!"

Am Abend wird gefetet – festliches candle light dinner‚ dazu, auf der Bühne, Aufführungen, Pantomimen, eine "Hair"-Parodie. Ein junger Mann steht da im Hängerkleidchen à la Mireille Mathieu, bewegt Lippen und Augendeckel wie Mireille, dazu spielt eine Platte von ihr.

Zwei Beispiele für das, was man im Club Mediterranee unter Animation versteht, einem Begriff, der seit einigen Jahren nun auch hierzulande die Runde macht. Im "Club" heißt das soviel wie kleine Unterhaltung und große Show – Entertainment im weitesten Sinn.

Nicht jeder, der im Club Méditerranée Urlaub macht, fühlt sich von solcherart Animation animiert, und doch ist es gerade dies, was – neben den vielen Inklusiv-Sportarten, die von den "moniteurs" unterrichtet werden –, den Erfolg des Clubs bei französischen Urlaubern ausmacht. Denn Animation soll, nach dem Willen des Club-Begründers Trigano jene ambiance schaffen, ohne die es kein Franzose lange in einer Gesellschaft aushalt das heißt soviel wie: lockere Atmosphäre, gute Stimmung.

Nur ein Wechsel der Szene?

Vom lateinischen Ursprung des Wortes (ammare – Seele einhauchen, beleben) hat sich die Definition der Club-Franzosen allerdings gleich weit entfernt wie das, was hiesige Ferienmacher und Wissenschaftler darunter verstehen möchten: Beratung und Anregung, das Angebot am Ferienort zu nutzen. Katalysator, damit Menschen leichter miteinander ins Gespräch kommen können.