Sollen Schüler über Zensuren mitbestimmen dürfen?

Schüler zensieren noch einseitiger als Lehrer. Wer würde denn für seinen Klassenkameraden eine Fünf vorschlagen, auch wenn sie den Realitäten entspräche? Dadurch werden die Ungerechtigkeiten der Lehrer durch die Schüler wieder wettgemacht. Deshalb bin ich (natürlich) für Mitbestimmung. Hans-Joachim Bresemann, 20 Jahre

Grundsätzlich bin ich für das Mitspracherecht der Schüler bei den Zensuren, weil sie sich untereinander kennen, sich besser einschätzen können und manches mitbewerten, was der Lehrer vielleicht übersehen könnte.

Leider kommt es dabei aber oft zu einem Kuhhandel, bei dem diejenigen, die die meisten Freunde auf ihrer Seite haben, am besten wegkommen. Deshalb ist es die wichtigste Aufgabe des Lehrers, Standfestigkeit gegenüber solchen "Argumenten" zu bewahren und sich lediglich nach objektiver Kritik zu richten. Almut Grotefend, 18 Jahre

Eine Zensur setzt sich aus zwei verschiedenen Faktoren zusammen. Der schriftliche Faktor: Dies sind Schulaufgaben und Hausaufsätze. Der Lehrer informiert die Klasse über die schon vorgegebenen Zensuren. Der mündliche Faktor: Beurteilt wird die Mitarbeit während eines Schuljahres. Hierbei kann eine Klasse wertvolle Hinweise liefern und somit nicht nur zu einer gerechteren Benotung beitragen, sondern auch der Lehrkraft einen Teil der Arbeit abnehmen.

Verfährt man so bei der Zensurenverteilung, dann wirkt sich das auch gut auf das Arbeitsklima aus. Lehrer und Schüler arbeiten als Team zusammen, auf den einzelnen kann mehr eingegangen werden. In immer mehr Schulen setzt sich dieses Verfahren durch. Doch dies gilt nur für Zeugnisnoten. Dagegen gilt der Versuch, mit Schülern zusammen Klassenarbeiten zu bewerten, geradezu als revolutionär. Sicher würde das einen enormen Mehraufwand an Zeit und persönlichem Engagement kosten. Vereinzelte Versuche haben aber gezeigt, daß sich dies durchaus lohnt. Schüler zu sein, ist eine Art Beruf. Für diese Institution, in der wir den größten Teil unserer Zeit verbringen, sollten wir mehr persönliches Engagement aufbringen. Anstatt sich mit dem Gegebenen abzufinden, sollten wir versuchen, auf allen Gebieten mitzubestimmen.

Sabine Berger, 16 Jahre