Freiburg

Der Verkehrslandeplatz Freiburg ist infolgeseiner nahen Lage zum Stadtgebiet nicht mehr erweiterungsfähig. Er kann deshalb nicht zu einem leistungsfähigen, den künftigen Bedürfnissen entsprechenden Flugplatz ausgebaut werden...", gab das Innenministerium von Baden-Württemberg im Oktober 1971 offiziell bekannt. Jetzt hat der Gemeinderat einstimmig den Ausbau des heimischen Verkehrslandeplatzes beschlossen. Nachdem es in den letzten zwanzig Jahren mit diesem Projekt nur Bruchlandungen gegeben hat, spürt der Freiburger Luftverkehr einen freilich fragwürdigen Aufwind.

Angefacht wurde er durch den Flughafendirektor und städtischen Fuhrparkchef Arnst, im Behördenjargon "Wirbel-Willi" genannt, und einer aktiven Flieger-Lobby im Gemeinderat, an ihrer Spitze Oberbürgermeister Keidel. Er hat verschiedentlich, so war zu hören, seine zum Ausscheren bereiten SPD-Genossen "ganz schön zusammengeschissen". Wirbel-Willi tat das Seine: Mit einer gezielten Werbekampagne bereitete er den Boden für die Entscheidung vor. So brachte Arnst in der offiziellen Broschüre Baden-Württembergs über die Verkehrslandeplätze. "Berichtigungen" an und fügte neue Blätter hinzu, bevor er das Ganze, photokopiert, den Stadträten zugehen ließ. Ferner führte er eine eigene Zählung der Flugbewegungen ein, die sich von der des Statistischen Landesamtes unterscheidet. So wurden etwa die Touristenrundflüge über der Stadt flugs dem gewerblichen Verkehr zugeschlagen.

Um das leidige Thema endlich aus der politischen Diskussion herauszunehmen, gründete man nun eine Flughafen GmbH. Einziger Gesellschafter ist die Stadt Freiburg. Über diese Gesellschaft kann man auf dem Kapitalmarkt an die nötigen Mittel herankommen. Man rechnet dabei nicht nur mit den hohen Landeszuschüssen; man will auch das Arbeitsamt zur Kasse bitten: und zwar um Zuschüsse und Darlehen im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nach dem Arbeitsförderungsgesetz. Daß die Arbeitslosenquote in Freiburg, die für solche Zuschüsse maßgeblich ist, weit unter dem Landesdurchschnitt liegt, stört dabei nicht viel. Galt es doch zunächst einmal, den Gemeinderäten die Tieffliegerei über dem Stadtgebiet schmackhaft zu machen.

Dazu gehörte, daß nicht einmal die Hälfte der notwendigen Investitionskosten angeführt wurden. Die vor sich hin rostende Lochstahlplatten bahn wird durch eine Betonpiste ersetzt, dazu kommt ein Flugleitungsturm für insgesamt 1,1 Millionen Mark. Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Regierungspräsidium Freiburg, hatte kurz zuvor die Ausbaukosten auf drei bis vier Millionen Mark veranschlagt. Auch nach diesen Investitionen bleibt der Betrieb auf den Sichtflugverkehr beschränkt. Bei Nebel und bei Nacht werden die eiligen Geschäftsleute nach Basel ausweichen müssen. Denn dort, von Freiburg über die Autobahn in rund 30 Minuten zu erreichen, liegt ein internationaler Flughafen, dessen Kapazität heute nicht einmal zu 60 Prozent ausgelastet ist. Eine spezielle Omnibusverbindung von Freiburg zum Basler Flughafen wurde vor kurzem eingerichtet.

Der Versuch, von der Breisgau-Metropole einen Zubringerdienst nach Frankfurt und Stuttgart einzurichten, ist viermal gescheitert. Jeweils kurz nach dem hochgejubelten Eröffnungsflug wurde der Verkehr mangels Nachfrage wieder eingestellt. Das oft beschworene Interesse der Industrie reichte nicht aus. Es wird jedoch für die Notwendigkeit des Freiburger Verkehrslandeplatzes immer an erster Stelle genannt.

Viele Gegner des Projekts sind plötzlich kleinlaut geworden. Sie schieben die Interessen der Geschäftsleute vor und schielen auf das Entwicklungsprogramm der Landesregierung. Nicht weniger als 90 Millionen Mark will Baden-Württemberg in den nächsten Jahren für den Ausbau seiner Miniflugplätze ausgeben.