Das Bundeskartellamt will den US-Konzern General Electric daran hindern, die Lampenfirma Osram unter seine Kontrolle zu bringen.

Eines der renommiertesten deutschen Markenartikel-Unternehmen droht unter amerikanische Führung zu geraten: die Münchener Lampenfirma Osram. Die Macht über den führenden Hersteller von Glühlampen, (Jahresumsatz 1973: 897 Millionen Mark) will kein geringerer als der US-Riese General Electric (GE) übernehmen, der an der Gesellschaft bis jetzt nur mit 21,5 Prozent beteiligt ist – zusammen mit Siemens (42,77 Prozent) und AEG/Telefunken (35,8 Prozent). Zur Majorität will dem US-Konzern die AEG verhelfen, die sich von einem Verkauf ihrer Anteile eine spürbare Entlastung der Kasse erhofft.

Über die in einem Schreiben an die Gesellschafter von Osram enthaltenen Einwände des Bundeskartellamtes gegen den Übergang des bei AEG liegenden Osram-Pakets auf General Electric herrscht offiziell Stillschweigen. Offensichtlich gehen die Berliner Wettbewerbshüter jedoch davon aus, daß durch die enge Verbindung von GE (Anteil am Welt-Lampenmarkt: 25 Prozent) mit Osram (über zehn Prozent) ein potentieller Wettbewerber ausgeschaltet wird. "Potentiell" deshalb, weil GE mit seinen eigenen Lampen-Marken in der Bundesrepublik zur Zeit nicht vertreten ist. Das Kartellamt ist, wie es sdeint, der Ansicht, daß die marktbeherrschende Stellung von Osram, aus dessen Werken jede zweite in der Bundesrepublik abgesetzte Glühbirne stammt, durch die geplante Transaktion weiter verstärkt würde.

Bei ihrer Haltung gegen die beabsichtigte Transaktion haben die Berliner Kartellbeamten jedoch nicht allein die Wahrung eines in Zukunft denkbaren Wettbewerbs zwischen Osram und GE im Auge. Das neue Kartellgesetz verpflichtet sie auch, vor Genehmigung einer Fusion die Finanzkraft der beteiligten Unternehmen sowie ihren Zugang zu den Absatz- und Beschaffungsmärkten ins Kalkül einzubeziehen.

Allerdings hoffen die drei Osram-Gesellschafter, daß ihnen im Falle einer endgültigen Absage aus Berlin Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs durch Erteilung einer Ausnahme-Genehmigung doch noch zu einer Realisierung ihrer Pläne verhelfen wird. An Argumenten fehlt es den Beteiligten nicht: Der Weltweit nur noch von vier Unternehmen bestrittene Wettbewerb im Lampengeschäft ist inzwischen so erbittert geworden, daß Osram ohne starken Partner auf die Dauer in Bedrängnis kommen konnte. Vorsorglich verzichteten die drei Teilhaber in diesem Jahr erstmalig darauf, sich bei Osram eine Dividende zu genehmigen.