Nun haben wir also jede Mannschaft einmal "im Einsatz" gesehen. Da sahen die meisten ganz anders aus als in den letzten Trainingsspielen. Australien, Zaire und Haiti werden, solange sie können und dürfen, der Veranstaltung Farbe geben, das steht fest.

Die Südamerikaner werden dem großen Ruf, der ihnen vorauseilte, nicht gerecht. Für sie ist europäisches Klima wohl ebenso hinderlich, wie es das Klima in Mexiko für die Europäer war. Eine europäische Mannschaft hat die besten Aussichten auf den Sieg: vielleicht die Holländer.

Dienstag, 18. Juni

Die schöne Fußballanthologie des Hanser-Verlags hat leider den falschen Titel. Netzer kommt keineswegs aus der Tiefe des Raumes, sondern ist nur mal so eben auf die Reservebank vorgerückt, wo er dann auch sitzen blieb.

Also: Wenn ich Helmut Schön wäre, dann würde ich gegen die DDR das Mittelfeld mit Netzer, Overath, Hoeneß besetzen. Es könnte ja doch sein, daß der enttäuscht Enttäuschende dann wie einst mit Riesenschritten "aus der Tiefe des Raumes" zu kommen wieder lernt; und ohne einen solchen Netzer sieht es nicht so gut aus für eine westdeutsche Mannschaft, die nicht mehr gegen Australien, sondern (vielleicht, zum Beispiel) gegen Brasilien, Jugoslawien und Polen, am Ende gegen Holland anzutreten hat.

Meine Favoriten halten sich bis jetzt wacker. Ich hatte auf folgende letzten vier getippt: Holland, Polen, Italien, Bundesrepublik.

Alle südamerikanischen Mannschaften enttäuschen. Nicht nur, weil sie schlecht abschneiden. Vielmehr, weil die elegante südamerikanische Balltänzerei, wie Pete sie so perfekt verkörperte, von harten Attacken gegen Schienbeine und Bauch des Gegners verdrängt worden ist. Die ersten beiden Platzverweise trafen nicht zufällig Südamerikaner: einen Uru und einen Argentinier. Auch die Brasilianer hatten es nur einem unfähigen holländischen Schiedsrichter zu danken, daß sie am Ende noch vollzählig waren. Die Schotten, gewiß keine Kinder von Zimperlichkeit, klagten, sie seien nach-diesem Spiel alle lazarettreif.