Daß das Spiel schließlich verlorenging, finde ich gut. Als Netzer in der 55. Spielminute anfing, sich warmzulaufen, ging ein Raunen durchs ganze Stadion, und ermüdete Hoffnungen klatschten sich wach. Es dauerte dann noch einmal eine Viertelstunde, bis Netzer wirklich aufs Spielfeld ging, noch einmal lauter Beifall. Aber es war zu spät.

Das Gegentor fiel, ohne daß Netzer daran irgend etwas hätte ändern können. Und die fünfzehnhundert Besucher aus der DDR sangen: "Ja, mir san mit’m Radel da." Wieso? Die auch? Nein, es war nur die Melodie, die Worte dazu hießen: "Wo bleibt nun das zweite Tor?" Die fünfzehn Schlußminuten reichten nicht aus, diese Frage zu beantworten.

Ich habe bei meinem Ausflug viel gesehen, das halbe Bundeskabinett und den Bundeskanzler zum Beispiel und das größte Polizeiaufgebot, das es im Volksparkstadion je gegeben hat. Aber den Weltmeister, den ich hatte besuchen wollen, den habe ich nicht gesehen.

Sonntag, 23. Juni

"Kennen Sie Millionäre wie Horten oder Auto-Becker oder Springer?" fragte einer unserer Wirtschaftsredakteure.

Ich kenne.

"Glauben Sie, daß die mit äußerster Anstrengung rennen?"