Von Jens Friedemann

Wer in diesen Tagen die Portale der Chase Manhattan, der First National City oder der Morgan Guaranty Bank in New York beobachtet, dem fällt eine kleine Gruppe von Männern in dunklen Zweireihern auf, die mal hier, mal dort, in den Hauptquartieren der amerikanischen Geldzentralen verschwindet. Trügen die Herren ihre heimischen Gewänder, wäre die Sensation des Jahres offenbar: Es handelt sich um Ölscheiche und Bankiers aus arabischen Ländern.

Während Anlageberater und Journalisten seit Monaten krampfhaft nach Anzeichen arabischer Kapitalpräsenz suchten, flochten diese Herren nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ein weltweites Bankennetz, an dem deutsche, französische, italienische, schweizerische und englische Kreditinstitute beteiligt sind. Heute bereits arbeiten die bedeutendsten Finanzexperten rund um den Globus für arabische Auftraggeber. Durch die Kanäle der neuen Kapital-Konglomerate fließen arabische Ölgelder sicher und anonym in alle Teile der Welt und westliches Banken-"know how" bis in das letzte Tal der arabischen Wüste.

"The new way of banking", wie das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week" die "neue Art von Geschäften" der west-östlichen Bankenallianz bezeichnet, startete 1969. Abdel-Latif al-Hamad, der 37jährige Chef zahlreicher Geldinstitute in Kuwait, gründete zusammen mit der Bank von Oman, von Bahrain, Libyen, Tunesien und einem Konsortium westlicher Banken unter Führung der Société Generale in der Avenue Klibu in Paris die franco-arabische Frab-Bank International.

Der Boom von Gründungen multinationaler Finanzorganisationen setzte jedoch erst drei Jahre später ein, nachdem die Crédit Lyonnais zusammen mit rund 30 arabischen Partnern im Pariser Vorort Neuilly die "Union des Banques Arabes et Françaises" (UBAF) ins Leben rief und binnen Jahresfrist einen Bombenerfolg erzielte. Gelockt von den Aussichten, mit den reichen Arabern ins Geschäft zu kommen, folgten Bankiers aus aller Herren Länder dem Weg, den die UBAF vorgezeichnet hatte.

Die EBIC-Gruppe (European Banks International Corporation), zu der die Deutsche Bank, der Schweizerische Kreditanstalt-Bankverein, die Société Generale in Paris und Brüssel sowie die britische Midiandbank gehören, schuf zusammen mit Finanzorganisationen aus Kuwait, den kleineren Golfemiraten und anderen arabischen Ländern die European-Arab Holding in Luxemburg und die Europäisch-Arabische Bank in Brüssel und Frankfurt. Zum Chef der neuen Bank wählten die Aktionäre den ehemaligen ägyptischen Finanzminister Abdel Moneim al-Qaisouni. Einen ähnlichen Weg beschritt die Dresdner Bank, die zusammen mit 25 Partnern unter Leitung von Abdel-Latif al-Hamad in Luxemburg die Compagnie Arabe et Internationale d’Investissements gründete.

Mit den steigenden Öleinnahmen, ausgelöst durch die Regelungen von Teheran, Tripolis und Genf – vor der Ölkrise –, begann der Marktwert für Verbindungen zu den Ölscheichen rasant anzusteigen. "Vor zwei Jahren fragten mich meine Geschäftsfreunde, wie ich denn mit den Arabern auskäme", berichtet Walter Cronk, Generaldirektor der UBAF-Ltd., der britischen Tochter der UBAF-Paris. Heute klopfen sie an seine Tür und fragen, ob er ihnen nicht Zugang zu den arabischen Finanzquellen verschaffen könne.