Durch die Verbindung der Nutzfahrzeugbereiche von KHD und Fiat erwächst Daimler-Benz auf dem EG-Markt ein starker Konkurrent

Eine Hochzeit ist geschlossen, deren Braut längst feststand, aber deren Freier bisher nur zu vermuten war (ZEIT Nr. 18 und 23). Nach langer Partnersuche hat der Magirus-Deutz Nutzfahrzeugbereich von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) bei Fiat den starken Arm gefunden. Beide Konzerne starken ihre Lkw-Betriebe aus und bringen sie in eine noch nicht genau definierte Gesellschaft niederländischen Rechts ein. Darin wird Fiat das Sagen haben, KHD wird mit vermutlich reichlich 20 Prozent beteiligt sein.

Mit diesem Zusammenschluß ist die Konzentrationsbewegung auf dem europäischen Lkw-Markt ein gutes Stück vorangekommen. Triebfedern des Trends sind einerseits Bemühungen, auf neuen Märkten festen Fuß zu fassen. Zum anderen zwingen Überkapazitäten und heftige Preiskämpfe zu immer rationellerer Fertigung: Ein Ziel, das allein über größere Stückzahlen im Aggregatebau und bei den Fahrerhäusern (Karosserien) zu erreichen ist.

Der EG-Markt für Lastwagen mit mehr als drei Tonnen Gesamtgewicht wird dann folgende Struktur haben: Daimler-Benz (einschließlich Hanomag Henschel) beherrscht rund 27 Prozent des Marktes, die Gruppe Fiat-KHD bringt es auf gut 16 Prozent. Mit Raten zwischen sechs und zehn Prozent folgen Bedford (General Motors), British Leyland, Ford, Saviëm und Peugeot. Berliët, Volvo, Scania und MAN-Büssing bringen es kaum auf fünf Prozent.

Durch Kooperationen verbunden sind unter anderem MAN und Saviëm, MAN und Daimler-Benz, Volvo und die kleine holländische DAF. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit im Bau einer Reihe von Mittelklasse-Lastwagen zwischen Volvo, Saviëm, DAF und KHD.

Die Gründe dafür, daß Fiat und KHD ausgerechnet unter dem Dach einer niederländischen Holding zusammenfanden, sind im Detail noch nicht auszumachen. Die Rede ist von steuerlichen Vorteilen bei der Gründung der Gesellschaft, auch davon, daß Einkommen dieser Holding nicht erneut besteuert werden, wenn der Fiskus der Länder, in denen produziert wird, (Italien und Bundesrepublik), schon zugegriffen hat. Außerdem hat in den Niederlanden der kleinere Partner schon mit einem Anteil von 20 Prozent Rechte und Vorteile, die ihm beispielsweise nach den Gesetzen der Bundesrepublik erst bei 25 Prozent zustehen.

Daß für die deutschen Arbeitnehmer aus dieser Konstruktion Nachteile für den Fall einer Mitbestimmungsregelung entstünden, muß wohl nicht befürchtet werden. Denn die deutsche Produktion wird in Gestalt einer Magirus Deutz AG rechtlich verselbständigt und ist damit an deutsche Gesetz gebunden. Die KHD-Betriebsräte jedenfalls haben keinerlei Bedenken angemeldet.

Verhandelt hat KHD bis zum Schluß auch noch mit Daimler-Benz, das sich mit einer Minderheitsbeteiligung zufrieden gegeben hätte. Das nationale Kartellrecht jedoch stand dagegen (siehe Interview mit Franz Heinrich Ulrich) rf