Von Karl Dedecius

Im letzten Jahr wäre Wladimir Majakowskij achtzig Jahre alt geworden, wenn ... Wenn er es nicht vorgezogen hätte, 1930 (mit 37 Jahren) das Lokal dieser Welt (oder nur seiner Welt?) vorzeitig und aus eigenem Willen zu verlassen.

Dreiundvierzig Jahre nach seinem Tod, am Tage seines Geburtstags, am 19. Juli, fanden Passanten in Moskau am Sockel des Puschkin-Denkmals einen Korb mit scharlachroten Rosen vor, dazu eine grellrote Schleife mit der Aufschrift: "Für Alexander Sergejewisch Puschkin am Tage meines Jubiläums. Wladimir Majakowskij."

Woher kamen diese Rosen – von einem Toten für einen Toten? Was wollte der anonyme Blumenspender – auf eigene Rechnung und auf fremdes Risiko – damit ausrichten? Eine Anspielung auf das Majakowskij-Gedicht "Jubilarisches" aus dem Jahre 1924 zu Puschkins 125. Geburtstag? Eine Anspielung auf den ewigen Streit, nicht nur den russischen, zwischen Bestand und Revolution, zwischen der ersten Bewegung und der letzten Erstarrung (nicht nur in der Literatur)?

Als Sergej Jessenin 1925 freiwillig aus dem Leben schied, hatte Majakowskij diesen Schritt als Feigheit und Desertion verurteilt.

Es wimmelt noch von Lumpen und von Schändern.

Es gibt genug zu tun, sich zu beweisen.