Zum Jahresende wird der neue VW-"Golf" den Käfer überholen

Von Stefan Woltereck

In Wolfsburg geht in diesen Wochen eine Epoche zu Ende: die des Käfers. Nachdem er 1958, 1961, 1963 und zuletzt 1967 totgesagt worden war und sich mit Beharrlichkeit immer wieder erholte, wurde ihm jetzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Todesstoß versetzt. Nicht durch Konkurrenzmodelle, nicht durch ständig steigende Preise, nicht durch Sicherheitsvorschriften, wie immer wieder befürchtet. Nein, die Hersteller selbst holten aus gegen das größte Krabbeltier aller Zeiten. Gegen das Gefährt, das den Grundstein legte zum Erfolg des Volkswagenwerks, das es zum größten deutschen Unternehmen und zum Devisenbringer Nummer eins machte. Das die Volksmotorisierung in der Bundesrepublik, in Europa und selbst in den Vereinigten Staaten ein erhebliches Stück voranbrachte. Das schließlich die Investitionen für seinen Nachfolger verdiente: Der Käfer ist tot.

Nein, er ist natürlich nicht tot. Horst Backsmann, Vorstandsmitglied in Wolfsburg, drückte es sybillinisch aus: Wir haben dem Käfer einen neuen Wagen zur Seite gestellt. Doch nach dem, was im Werk gerade vor sich geht, wäre der richtige Ausdruck eher totale Wachablösung: Die Schmiede, die in ihren besten Zeiten bis zu 5000 Käfer am Tage ausspie, wird völlig umgerüstet. Bereits heute laufen in den einst dem Käfer vorbehaltenen Hallen 250 Wagen eines vollkommen neuen Typs vom Band. Nach den Werksferien wird er samt seiner Sippe den ganzen Platz hier belegen.

Gags von Giorgio

Den Käfer gibt es weiter – aus Emden. Das Ostfriesen-Werk arbeitete bislang ausschließlich für den Export nach Übersee. In guten Zeiten verließen hier täglich 1200 Käfer die Bänder (aus Teilen, die in Wolfsburg vorgefertigt wurden). Diese Montage wird ausgeweitet, dazu springt das Transporter werk in Hannover-Stöcken ein: Die Käfer-Kapazität bleibt auf hohem Niveau. Das Ganze aber ist doch ein Auszug, ein Provisorium, von dem niemand weiß, wie lange es dauern wird. Denn keiner weiß, was mit den Käfer-Verkaufszahlen passiert, ist der Nachfolger erst voll in Produktion: der "Golf".

Was ist das für ein Auto, von dem seit Jahren gemunkelt wird, das schon bald die höchsten Stückzahlen im Konzern erreichen, das dem Werk aus den roten Zahlen helfen soll? Das schon vor seinem offizielle! Debüt mit Worten wie "Bilanzretter" bedacht und mit Vorschußlorbeeren geradezu überhäuft wurde?