Wenn Sie Schallplatten kaufen, dann – Unbedingt:

Various Artists: "Rockomotive"; Bellaphon BLS 5527, 22,– DM.

Dieses sorgfältig zusammengestellte und kompetent kommentierte Doppelalbum alter Aufnahmen der Pionier-Firmen Sun, Chess, Roulette und Checker dokumentiert – fast schon etwas lehrbuchhaft – die Ursprünge des Rock ’n’ Roll aus dem Blues, dem Rhythm & Blues und der Country Music. Die Anthologie betont im Prinzip weniger die historische "Richtigkeit" und das direkte Vorbild als vielmehr die stilistische Folgerichtigkeit, mit der die Rockabilly-Sänger wie Roy Orbison, Jerry Lee Lewis, Carl Perkins und der hier nicht vertretene Elvis Presley die Einflüsse ihrer Vorbilder absorbierten. Klärende Anmerkungen über den durch die Produktionstechniken bedingten typischen "Sound" der verschiedenen Interpreten fehlen leider. Trotzdem: ist dies unter allen Oldies-Kollektionen die vorbildlichste, weil sie nicht wahllos Nostalgie ausbeuten will.

Nach Möglichkeit:

Bob Dylan/The Band: "Before The Wood"; Asylum AS 63 000, 22,– DM.

Der von vielen mit Spannung erwartete Live-Mitschnitt der letzten Dylan-Tournee bestätigt nicht die sensationellen Berichte, die von jenseits des Atlantiks gekommen waren. Die magische Aura des Dabeiseins konservierten die letzten Live-Platten von Paul Simon, den Stones und den Beach Boys weit besser. Selbst bei einem so introvertierten und depressiv-resignierten Song wie "It’s Allright, Ma (I’m Only Bleeding)" hat Bob Dylan alle subtilen Phrasierungen und Nuancen zugunsten einer spektakulär vorgetragenen Botschaft aufgegeben, als wolle er sie und sich selber dem Rockpublikum des Jahres 1974 einbleuen. Das Genie der sechziger Jahre läßt sich natürlich nicht verleugnen, aber für das musikalisch befriedigendste Erlebnis sorgt immer im Hintergrund Garth Hudson, der Organist der "Band", die selbst einem schlechten Song wie "Blown’In The Wind" den Charakter eines langweiligen pazifistischen Sing-along nimmt.

Vielleicht: