Der kanadische Massey-Ferguson-Konzern nutzte die Krise der deutschen Baumaschinenindustrie zur Übernahme von Hanomag

Massey-Ferguson (MF), einer der größten Landmaschinen- und Baumaschinenkonzerne der Welt, griff im rechten Moment zu. Nach intensiven Gesprächen, die in diesem Jahr begannen, war das Schicksal der Rheinstahl AG, Hanomag Baumaschinen besiegelt: Der Branchenriese auf einem seit Jahren schrumpfenden Baumaschinenmarkt wird am 1. Oktober dieses Jahres von dem kanadischen Konzern übernommen.

Nach einem jetzt unterzeichneten Vorvertrag übernimmt MF das Anlagevermögen und das Fertigungsprogramm der Hanomag. Die 2600 Beschäftigten in Hannover und das Management sollen in eine neu zu gründende Gesellschaft eingebracht werden.

Der in 180 Ländern vertretene MF-Konzern war schon längere Zeit auf der Suche nach zusätzlichen Fertigungskapazitäten. Mit gut einem Drittel Marktanteil bei leichten Mehrzweckbaumaschinen Branchenstärkster in der Bundesrepublik, kam MF gegen Ende der sechziger Jahre auch mit schweren Baumaschinen gut ins Geschäft, während die ehemals im Rheinstahlkonzern noch selbständige Hanomag AG von Jahr zu Jahr schrumpfte und immer tiefer in rote Zahlen geriet.

Hanomag stieß nacheinander den Lastwagenbau, die Ackerschlepperfertigung und den Aggregatbau für die Lastwagenproduktion ab. Die Beschäftigtenzahl wurde von über 12 000, davon 8000 in Hannover, auf 2600 abgebaut. Die Umsätze schrumpften von über 600 Millionen Mark (1968) auf 260 Millionen Mark im vergangenen Jahr, Für die glücklos operierende Hanomag war die Notwendigkeit immer stärker geworden, mit einem Partner zusammen neue Absatzmärkte zu erschließen, da "die Kapazitäten unseres Werkes nur unzureichend ausgelastet waren", wie Hanomag-Chef Karl Rabe sagt. Über das weltweite Distributionsnetz von MF hoffen die Hannoveraner nun auf frischen Schwung im Exportgeschäft, mit dem der Absatzrückgang im Inland – in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 35 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahreszeit – bisher nicht kompensiert werden konnte.

"Schade", meint Peter Tüttenberg, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Baumaschinen-, Baugeräte- und Bahnmaterial-Firmen in Bonn, "daß nun auch in unserer Branche, die in technisches know how viel Geld investierte, der Ausverkauf beginnt." ot