Die zehntägige Regierungskrise in Portugal endete am Wochenende mit der überraschenden Berufung des Obersten Vasco Gonçalves zum neuen Ministerpräsidenten. Staatspräsident Spinola hatte seinen Favoriten, Ex-Verteidigungsminister Miguel, nicht durchbringen können: Er scheiterte am Einspruch des Movimento das Forgas Armadas, der Gruppe jüngerer Offiziere, die den Militärputsch vom 25. April vorbereitet und durchgeführt hatten.

Begonnen hatte die Krise mit der Forderung von Regierungschef Palma, ihm mehr Kompetenzen einzuräumen, eine Interimsverfassung durch ein Plebiszit zu billigen und so schnell wie möglich den Staatspräsidenten durch das Volk wählen zu lassen. Palma konnte im Staatsrat keine Mehrheit zusammenbringen und bot daraufhin seinen Rücktritt an.

Der neue Ministerpräsident Gonçalves hat Verhandlungen mit den Parteien aufgenommen, um die Mitte-Links-Regierung fortzusetzen. Zwischen diesem (zivilen) Gremium und der "Junta zur nationalen Rettung" war es in den letzten Wochen zu Meinungsverschiedenheiten gekommen, hauptsächlich in der Wirtschafts- und Kolonialpolitik. Portugals Wirtschaft steckt in einer Krise: Produktionsrückgang bis zu 30 Prozent, Inflationsraten um 20 Prozent.