Von Adolf Metzner

Die Weltmeisterschaft ist vorbei. "Fußball satt", kann man da nur sagen. Ein Journalist, der sich jetzt aufs Altenteil zurückgezogen hat, meinte: "Von mir aus könnte die WM noch den ganzen Sommer lang dauern." Andere stöhnten: 38 Spiele in dreieinhalb Wochen, das ist zuviel für eines Mannes Kraft. Und nun will dieser Señor Havelange, der jetzt dem Weltfußballverband vorstellt, die Zahl der Teilnehmer auch noch auf 20 und vielleicht gar auf 24 erhöhen. Ist dieser Mann noch zu retten? Man muß Nachsicht üben, er war Wasserballspieler, und dieses merkwürdige Spiel findet ja mit seinen Fouls weitgehend unter Wasser statt, da wird der Blick über Wasser manchmal etwas getrübt.

Ein Vergleich mit den Olympischen Spielen drängt sich auf. Dort führen über 20 Sportarten an einem Ort oder in dessen näherer Umgebung in gut zwei Wochen ihre inoffiziellen Weltmeisterschaften durch. Und natürlich drängt sich auch der Vergleich des Organisationsgenies von Willi Daume mit dem von Hermann Neuberger auf. Daß beim Endspiel, als der Schiedsrichter Taylor anpfeifen wollte, noch nicht einmal die Eckfahnen flatterten, war symptomatisch. Das passiert höchstens einmal bei einem kleinen Dorfverein.

Während Daume den internationalen Presseleuten ein Einzelzimmer mit Fernseher sowie französische Küche servierte, verstand es der Deutsche Fußballbund geradezu meisterhaft, die Journalisten zu verärgern. Die Artikel und Kommentare in der ausländischen Presse fielen dann auch dementsprechend aus.

Ich kann nur über meine eigenen Erfahrungen berichten. In Frankfurt beim Eröffnungsspiel Brasilien–Jugoslawien wußte kein Mensch, wo die Pressebusse standen. Als ich endlich den Abfahrtsplatz vor dem Schwimmbad fand, stand dort zwar ein Pressebus, vor dem sich ein halbes Hundert gestikulierender Journalisten aus aller Welt drängten, aber ein Fahrer war weit und breit nicht zu sehen, und er kam dann erst nach einer halben Stunde. In Hannover ging es ähnlich zu, in Gelsenkirchen klappte es einigermaßen. In München hatte ich mich in eines der drei genannten Hotels für die Presse einquartiert. Zwei Pressebusse standen zwar vor dem Haus. Als ich einsteigen wollte, wurde mir aber von einem Vertreter des Deutschen Fußballbundes bedeutet, die Busse seien für die "Mannschaft", gemeint war jene von Bern 1954. Ich konnte mich nur fragen, ob damals die Deutschen statt mit 11 mit 100 Mann gespielt hätten. So mußte ich einen Riesenumweg mit der U-Bahn machen, um schließlich nach langem Fußmarsch zum Olympiastadion zu kommen.

Während früher die Funktionäre des Deutschen Fußballbundes wie Dr. Peco Bauwens oder Dr. Xandry besonders großzügig waren, kann man dies von den heutigen Offiziellen wirklich nicht behaupten. Der Streit, ob die Frauen der Spieler, die gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hatten, zum Bankett durften oder nicht, war wirklich kleinkariert. Und Herrn Deckert, der kategorisch erklärte, die Frau des Spielers Hoeneß aus dem Saal entfernen zu lassen, müßte der Vorstand des DFB wirklich die rote Karte zeigen.

Aber stellen wir die Frage, was hat uns die WM neues für die Entwicklung jenes Spiels, das die Welt so fasziniert und Fußball heißt, das bracht? Die Antwort ist einfach. Der freie Raum des Spielfeldes, wo spielerische Entfaltung mögdes ist, wird immer mehr eingeschränkt, da die Spieler immer schneller werden und immer mehr in Bewegung sind. Außerdem wird die Zeit, die für Einzelaktionen verbleibt, immer kürzer.