• Sie sind mehrfach in aller Öffentlichkeit für eine Kooperation von Daimler-Benz und KHD im Nutzfahrzeugbereich eingetreten. Nun hat sich KHD an Fiat gelehnt. Ist die von Ihnen bevorzugte Lösung an der Haltung des Bundeskartellamtes gescheitert?

Ulrich: Ich bin grundsätzlich dafür eingetreten, daß KHD im Nutzfahrzeugbereich eine Lösung der bestehenden Probleme durch Kooperation suchen sollte, weil diese Probleme aus eigener Kraft allein nicht nachhaltig zu lösen sind. Für eine Kooperation erschien mir ein deutscher Partner wie Daimler-Benz in erster Linie wünschenswert. Aber ich war niemals ein Gegner der mit Fiat seit längerem geführten Gespräche. Die Daimler-Benz-Lösung ist nicht an einer konkreten negativen Haltung des Bundeskartellamtes gescheitert. Wohl aber haben bei der Frage, welches der bessere und realistischere Weg wäre, auch Überlegungen im Hinblick auf die mögliche Haltung des Kartellamtes eine Rolle gespielt.

  • Hat sich das Amt selbst eingeschaltet oder haben Daimler-Benz oder KHD in Berlin sondiert?

Ulrich: Soweit mir bekannt, haben weder Daimler-Benz noch KHD in Berlin sondiert. Das Kartellamt hat kürzlich seinerseits unter Bezugnahme auf Presseberichte über die Verhandlungen zwischen KHD und Fiat angefragt, was daran sei. KHD wird jetzt darüber berichten.

  • Haben Sie sich nicht für eine Lösung stark gemacht, die von vornherein kaum durchsetzbar war?

Ulrich: Nach der Kartellrechtsnovelle und der neueren Praxis des Bundeskartellamtes hätte ich heute Zweifel, ob ein Zusammengehen von KHD und Daimler-Benz im Lkw-Geschäft genehmigt werden würde. Ursprünglich war ich hier wesentlich optimistischer. Im übrigen habe ich mich zu keinem Zeitpunkt für eine bestimmte Verhandlungsrichtung eingesetzt, sondern stets eine neutrale Haltung eingenommen. In meiner doppelten Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender beider Gesellschaften habe ich nur das Stattfinden von Gesprächen gefördert.

  • Galt Ihnen die Sanierung von KHD mit Hilfe eines deutschen Partners wie Daimler-Benz als ein Argument, das kartellrechtliche Bedenken ausgestochen hätte? Ulrich: Zunächst möchte ich klarstellen, daß von einem Sanierungsfall bei KHD keine Rede sein kann. Vielmehr handelt es sich darum, für einen Teilbereich des Unternehmens, in dem die Ertragslage äußerst unbefriedigend ist, eine baldige Lösung im Interesse des Gesamtunternehmens zu finden. Ob angesichts der hier bestehenden Notwendigkeit kartellrechtliche Bedenken gegen eine Kooperation mit Daimler-Benz zuüberwinden sein würden, kann ich schwer beurteilen. Es hat sich ja nun die europäische Lösung mit Fiat abgezeichnet, von der ich annehme, daß sie genehmigt werden wird.
  • Immerhin hätten Daimler-Benz und KHD in der Bundesrepublik einen Marktanteil von annähernd 70 Prozent zusammengebracht, im Bereich der mittelschweren und schweren Fahrzeuge mehr. Selbst in der EG hätten beide zusammen fast 30 Prozent.