Auf der Hauptversammlung der Hamburgische Electricitäts-Werke AG, Hamburg, schwieg Aufsichtsratsvorsitzender, Senator Wilhelm Eckström (SPD), eisern. Alle Proteste der freien Aktionäre, die sich gegen die vom Großaktionär, der Hansestadt Hamburg, gewünschte Kürzung der Ausschüttung von 14 auf 13 Prozent für das Geschäftsjahr 1973 wandten, ließ er ungerührt von sich abprallen.

Seine Taktik war verständlich, denn auf eine sachliche Diskussion konnte er sich nicht einlassen. Dazu war die Position der Stadt zu schwach. Er hätte nur Scheinargumente vorbringen können, wo doch jedermann im Saale wußte, daß die Ausschüttungskürzung ausschließlich eine politische Aktion war. Der nach den letzten Bürgerschaftswahlen geschwächte Senat glaubt, die längst überfällige Strompreiserhöhung bei den Bürgerschaftsfraktionen der SPD und FDP nur dann durchsetzen können, wenn damit – wie auch schon bei früheren Gelegenheiten – eine Kürzung der Ausschüttung verbunden wird.

Wenn der Senat weiter schamhaft geschwiegen hätte wie während der Hauptversammlung, meine verehrten Leser, wäre es nicht notwendig gewesen, den Fall HEW an dieser Stelle noch einmal aufzugreifen. Aber in Briefen an empörte HEW-Aktionäre schiebt die Behörde von Senator Eckström jetzt Argumente nach, mit denen man sich unbedingt beschäftigen muß.

Um was geht es nun im einzelnen? Der HEW-Abschluß für 1973 war nach Rücksprache des Vorstandes mit dem bis zum 30. April 1974 amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden, Senator Otto Hackmack, auf eine Ausschüttung von 13 Prozent Dividende plus ein Prozent Bonus – wie im Jahr zuvor – abgestellt worden. Es ist davon auszugehen, daß sich Hackmack dafür hatte grünes Licht von seinen Senatskollegen geben lassen.

Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen am 15. Mai dieses Jahres denn auch, der Hauptversammlung eine Ausschüttung von insgesamt 14 Prozent zu empfehlen. Was der Öffentlichkeit nicht mitgeteilt wurde, ist der Umstand, daß schon damals der Großaktionär (besitzt mehr als 75 Prozent des HEW-Aktienkapitals) für eine Ausschüttungskürzung eingetreten war, jedoch im Aufsichtsrat dafür keine Mehrheit finden konnte.

Selbst die von ihm in den Aufsichtsrat gewählten Arbeitnehmervertreter waren nicht bereit, dem Senat in diesem Punkt zu folgen. Sie stellten das Wohl ihres Betriebes und wohl auch das der zahlreichen Belegschaftsaktionäre höher als die vermeintlichen politischen Nöte des Senats.

So blieb dem Senat nur noch die Möglichkeit, auf der Hauptversammlung den Ausschüttungsvorschlag der Verwaltung niederzustimmen, was dann auch geschah.