Die Herstatt-Pleite, die größte Bankpleite seit den dreißiger Jahren, hat die privaten Banken in der Bundesrepublik zu ungewohnter Aktivität angespornt. Sie haben nicht nur den Gemeinschafts- ("Feuerwehr"-)Fonds, aus dem Einlagen bis zu 20 000 Mark voll ausgezahlt werden, innerhalb weniger Stunden um 130 Millionen Mark aufgestockt. Sie werden – wenn auch nicht in der gleichen Geschwindigkeit – darüber hinaus ein Liquiditätskonsortium gründen, das künftige Bankpleiten verhindern soll. Nicht alle, aber viele private Banken haben sich mit Quoten an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts beteiligt. Das Konsortium hat die Aufgabe, auf Antrag Banken Gelder zur Verfügung zu stellen, die über Engpässe hinweghelfen sollen. Die Mittel sollen als kurzfristige Darlehen gegeben werden, die nach sechs Monaten zu tilgen sind.

Wichtig ist, daß nicht nur solchen Banken geholfen werden soll, die unverschuldet in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind. Auch Institute, die eigenes Verschulden trifft, könne dann Hilfe vom Konsortium erwarten, wenn die Risiken durch den Feuerwehrfonds abgesichert werden. Das ist ein lobenswerter, wenn auch später Entschluß. Zwar sind schon öfter kleinere Banken durch geräuschlose Stützungsaktionen anderer Banken vor dem Ende bewahrt worden. Neu ist jedoch, daß die Hilfe jetzt institutionalisiert und vertraglich geregelt wird. Damit können Banken, die im Sog des Herstatt-Zusammenbruchs in Bedrängnis kommen, vor dem Kollaps bewahrt werden.

Hätte Herstatt also gerettet werden können, wenn es das Liquiditätskonsortium schon Anfang Juni gegeben hätte? Die Antwort heißt: Nein. Die Risiken bei Herstatt waren so hoch und unübersehbar, daß auch der Hilfsfonds kein Retter gewesen wäre. Daraus folgt, daß private Banken gegen einen zweiten Fall Herstatt auch jetzt noch nicht gerüstet sind. R. H.