DIE ZEIT

Ende der Ära Wehner?

Neigt sich die Ära Wehner dem Ende zu? Das ist ein altes Bonner Thema. Neu ist freilich, daß es in letzter Zeit immer häufiger auftaucht.

Totale Opposition?

Es kann durchaus sein, daß der Münchner Parteitag der CSU in die Parteigeschichte der Union eingehen wird, wie Franz Josef Strauß es meinte.

Park in Panik

Wenn auch nur die geringsten Zweifel an der wahren Natur des südkoreanischen Regimes bestanden haben sollten, jetzt haben die Machthaber sie vollends beseitigt.

Zu Lasten der Nation

Der Druck auf Richard Nixon wird immer stärker. Innerhalb der vergangenen acht Tage mußte der Präsident neue schwere Schlappen in der Watergate-Affäre hinnehmen: Sein ehemaliger Chefberater Ehrlichman wurde von einem Gericht der Verschwörung und des Meineides für schuldig befunden, der Justizausschuß des Repräsentantenhauses wies dem Weißen Haus Fälschungen und Lücken in den Tonbandprotokollen nach und schließlich wurde bekannt, daß Nixon mit Wahlgeldern teuren Schmuck für seine Frau gekauft habe.

Die Botschaft des Gewissens

Dreißig Jahre sind vergangen, seit an jenem 20. Juli des Jahres 1944 abends vor dem üblichen Wehrmachtsbericht die erregte Stimme des Ansagers im Radio die ersten Informationen über das mißglückte Attentat auf Adolf Hitler verkündete.

Zeitspiegel

Ein Teilproblem der Wehrgerechtigkeit erscheint im Augenblick gelöst: Gegenwärtig hält sich die Zahl der anerkannten Kriegsdienstverweigerer und die Zahl der Plätze im Zivildienst die Waage.

Worte der Woche

"Ebenso wie die extreme Rechte durch geistige Auseinandersetzung und nicht durch Verbot zerbröckelt wurde, hoffen wir, daß auf demselben Weg auch der Kampf gegen die extreme Linke Erfolg hat.

Schlägt die Technik die Diplomaten?

Der Wert des Puddings", sagte Amerikas Verteidigungsminister James Schlesinger am 17. Juni vor der Reise seines Präsidenten und seines Kollegen Henry Kissinger nach Moskau zu neuen Verhandlungen mit den Russen, "erweist sich, wenn man ihn ißt.

Jackson paßt die ganze Richtung nicht

Bis zum jüngsten Gipfeltreffen zwischen Breschnjew und Nixon existierte in Washington ein sehr beständiges außen- und sicherheitspolitisches Kräfteparallelogramm.

Gesetzeshürden für Berlin

Am vergangenen Sonnabend, vor Beginn der Sommerpause, trafen sich West-Berlins Parlamentarier noch einmal für zwei Minuten. Einziger Tagesordnungspunkt: "1.

Sinnvolle Reform?

Der sozialdemokratische Abgeordnete Schmitt-Vockenhausen hat einen beachtenswerten Vorschlag zur Reform des Bundesrates vorgelegt.

Wolfgang Ebert: Auto – Auto

Nicht nur von neuen Butterbergen und einer Rindfleischschwemme sind wir bedroht – nun sind wir auch noch in Gefahr, von Auto-Überschüssen überrollt zu werden.

Volksheld im Abseits

Offiziers-Aktiongegen Staatspräsident Spinola – aber der Berg der wirtschaftlichen Probleme wächst

Experiment ohne Erfolg

Auf große Zurückhaltung stieß der hessische Ministerpräsident Albert Osswald, als er in der vergangenen Woche der Landespressekonferenz das Ergebnis eines in der Bundesrepublik einmaligen Experimentes auf den Tisch legte.

Dem "Bodanrück" an den Kragen

Deutschlands bedeutendes Erholungsgebiet im Süden Baden-Württembergs, der Bodensee, ist zu einem Tummelplatz der Landespolitik geworden.

Tschechoslowakei: Vertrag gebilligt

Nach dem Bundestag hat auch die Bundesversammlung der ČSSR den Vertrag über die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Tschechoslowakei ratifiziert.

Kritik an Achenbach: Rücktritt verlangt

Die Kritik an dem FDP-Bundestagsabgeordneten Ernst Achenbach wächst. Der Essener Anwalt hatte sich als Berichterstatter des Auswärtigen Ausschusses gegen die Ratifizierung eines deutsch-französischen Abkommens über die weitere Verfolgung von bereits im Ausland verurteilten Kriegsverbrechern ausgesprochen.

NACHRICHTEN DER WOCHE

Ein Gesetzentwurf, den das Kabinett noch im August verabschieden soll, sieht vor, daß Zusammenschlüsse von Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen zustimmungspflichtig werden, wenn die neue Einheit einen Jahresumsatz von 25 Millionen Mark erreicht.

Portugal: Erfolg der Armee

Die zehntägige Regierungskrise in Portugal endete am Wochenende mit der überraschenden Berufung des Obersten Vasco Gonçalves zum neuen Ministerpräsidenten.

Steuerreform: Einigung in Sicht

In der seit Wochen umstrittenen Steuerreform zeichnet sich nun doch noch eine Lösung vor Monatsende ab. Bundeskanzler Schmidt, CDU-Vorsitzender Kohl, der designierte FDP-Vorsitzende Genscher und Finanzminister Apel vereinbarten ein Spitzengespräch für den Mittwochabend.

Umweltbundesamt: Störfeuer der DDR

Das Störfeuer der DDR gegen die Errichtung des Umweltbundesamtes in Westberlin hält unvermindert an. Der Bundesrat billigte das Gesetz am Freitag; am Samstag wurde es vom Berliner Abgeordnetenhaus übernommen.

"Union als Alternative"

Noch mehr als in früheren Jahren ist der ordentliche Parteitag der CSU am Freitag und Samstag letzter Woche in München zu einer außerordentlichen Ein-Mann-Show um Franz Josef Strauß geworden.

Palästinenser: In Genf vertreten?

Genf, die für Oktober vorgesehene zweite Runde der Friedenskonferenz, wirft Schatten auf Nahost: Jordaniens König Hussein traf Ägyptens Staatschef Sadat; Amerikas Außenminister Kissinger will demnächst seine bilateralen Kontakte fortsetzen; sein israelischer Kollege Allon trifft ihn zum Monatsende in Washington; der Palästinenser-Führer Arafat ist, vor seinem Besuch in Moskau, auf einer Rundreise durch die arabischen Hauptstädte.

Extremisten keine Gefahr

Politischer Extremismus, von links wie von rechts, bildet keine Gefahr für die innere Sicherheit der Bundesrepublik. Dieses Fazit zog Innenminister Maihofer aus dem "Verfassungsscbutzbericht 1973", der in der vorigen Woche veröffentlicht wurde.

NAMEN DER WOCHE

Arturo Mor Roig, argentinischer Innenminister in der Militärregierung Lanusse, ist von unbekannten Tätern ermordet worden. Er ist das bislang prominenteste Opfer einer Terrorwelle, die seit dem Tode Juan Pérons das Land erschüttert.

Rationalisierungsmaßnahmen in deutschen Verlagen: Geist sparen?

Leute werden entlassen, und wir sprechen, ganz Arzt am Krankenbett, vom Prozeß des "Gesundschrumpfens". "Rationalisierungsmaßnahmen" werden "eingeleitet", und wir haben uns daran gewöhnt, darunter nur noch die ultima ratio jeder Marktwirtschaft zu verstehen, die Bilanz.

Das Denkmal Majakowskij

Im letzten Jahr wäre Wladimir Majakowskij achtzig Jahre alt geworden, wenn ... Wenn er es nicht vorgezogen hätte, 1930 (mit 37 Jahren) das Lokal dieser Welt (oder nur seiner Welt?) vorzeitig und aus eigenem Willen zu verlassen.

Die neue Schallplatte

Dieses sorgfältig zusammengestellte und kompetent kommentierte Doppelalbum alter Aufnahmen der Pionier-Firmen Sun, Chess, Roulette und Checker dokumentiert – fast schon etwas lehrbuchhaft – die Ursprünge des Rock ’n’ Roll aus dem Blues, dem Rhythm & Blues und der Country Music.

Zeitmosaik

Der hypertrophierte oberste Wert der Zweckmäßigkeit, unsere hypertrophisch zweckmäßigen Städte, haben hypertrophe Reaktionen, haben exotische Fluchtburgen zur Folge.

Der Kaiser als Hebamme

Kurz vor Mitternacht war man endlich beim Thema. Fernsehjournalisten und Zeitungsmenschen stritten darüber, wer die dümmeren waren: die Fußballdenker beim TV oder ihre schreibenden Kollegen von der Presse.

Numerus clausus: 130 000 ohne Studienplatz

Aus dem gerade veröffentlichten, von Bund und Ländern gemeinsam erarbeiteten 4. Rahmenplan für den Hochschulausbau geht hervor: Bis 1978 werden rund 130 000 junge Menschen, die studieren möchten, nicht studieren können, weil keine Hochschule sie aufnehmen kann.

Kunstkalender

Künstler wie Baumeister, Schlemmer, Itten rechtfertigen diesen sehr gewissenhaften, sehr aufwendigen Versuch, den Hölzel-Kreis in seiner Totalität einschließlich der ziemlich unbekannten Randfiguren zu rekonstruieren.

Unsere Sprache: Der Ausdruck des Bedauerns

Ludek Pachman durfte nicht mitspielen. Ehe am Montag voriger Woche das internationale Großmeister-Schachturnier in Solingen begann, "bat" die Turnierleitung den vor zwei Jahren nach Solingen emigrierten Dubcek-Anhänger Pachman, auf die Teilnahme zu verzichten.

Filmtips

"Allein mit Giorgio" von Marco Ferreri, der diese abstruse Fabel vom Dreiecksverhältnis zwischen einem Maler, einem Mädchen und einem Schäferhund namens Melampo bereits 1971 gedreht hat.

Leute, welche Räume planen

Die Dortmunder Universität, weit draußen vor der Stadt in wogende Getreidefelder betoniert und Musterbeispiel einer in die Irre gegangenen Stadtplanung, hat als erstes Bildungsinstitut der Bundesrepublik soeben eine neue Spezies von Planern hervorgebracht: Raumplaner.

Der verlorene Sohn

Mein ehemaliges Denken erscheint mir nicht nur verstandesmäßig unrichtig und unvollkommen, sondern recht eigentlich auch moralisch minderwertig, indem es mir jetzt vorkommt wie eine große Unehrlichkeit gegen mich selber.

Kritik in Kürze

"Die Verschwörung der Dichter", von John Hersey. Sind Intellektuelle zu Rebellen geeignet? Können Schriftsteller den Umsturz bewerkstelligen? Vermögen Denker die Welt nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu verändern? Fragen nach dem Verhältnis von Geist und Macht, von Wort und Tat, Fragen, die seit vielen Generationen gestellt werden, die auch in unserer Zeit gegenwärtig sind.

Kakanien lebt weiter

Auf den Gedanken, daß "Weit von wo? – Verlorene Welt des Ost Judentums" ein Buch über den Schriftsteller Joseph Roth sei, verfiel ich erstmals beim Durchsehen des Personenregisters.

Tod und Teufel

Eine der schönsten Kirchen der DDR, zugleich eines der monumentalen Denkmäler religiöser Architektur Europas, ist der Dom zu Halberstadt.

Vom Ordnungsrecht zum Menschenrecht?

Ein reißerischer Titel und ein provozierendes Buch. Helmut Ostermeyer, Richter in Bielefeld, bereits durch justizkritische Publikationen hervorgetreten, setzt seine Überlegungen zur Lage von Recht und Rechtswissenschaft in Deutschland mit der gewohnten Aggressivität fort.

Hitlers Werben um die Weltgouvernante

Seit Jahren werden von der Nationalsozialismus-Forschung eher neue Deutungen als neue Quellen verlangt. Befreit man jedoch die Dokumente von mancherlei historiographischer Repression, gibt es Überraschungen.

Münchner Festspiele: Beginn mit Verdis "Falstaff": Jedes Pfund ein Genießer

Die Urlauber aus Baden-Württemberg und Wolfsburg erlebten den Mittleren Ring programmgemäß als Nadelöhr, die Einheimischen empfanden den Fremdenverkehr in der Innenstadt als hochtourig, der Temperaturrekord des Sommers maß 29 Grad und empfing seine besondere lokale Färbung durch einen "Föhneffekt": Saisonbeginn in München.

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