Neu in Museen und Galerien Bielefeld Bis zum 4. August, Kunsthalle:

Der Hölzelkreis bis 1914"

Künstler wie Baumeister, Schlemmer, Itten rechtfertigen diesen sehr gewissenhaften, sehr aufwendigen Versuch, den Hölzel-Kreis in seiner Totalität einschließlich der ziemlich unbekannten Randfiguren zu rekonstruieren. Zweihundert Arbeiten geben eine detaillierte Vorstellung von den komplizierten Beziehungen zwischen Hölzel und seinen Schülern, von der Diskrepanz zwischen theoretischer Fundierung und künstlerischer Praxis, zwischen einer wissenschaftlich konstruktiven und einer ins Mystische zielenden Tendenz. Aus diesem Widerspruch resultieren Meisterwerke wie Baumeisters Figurenbilder von 1914, aber auch so grandiose Fehlleistungen wie die gotisch expressiven Wandbilder nach mittelalterlichen Legenden für die Kölner Werkbundausstellung 1914, an denen Baumeister, Schlemmer und der Bielefelder Holzel-Schüler Stenner beteiligt waren. Hölzel lehrte in seiner Komponierklasse an der Stuttgarter Akademie den Bildaufbau auf der Basis einfacher Zahlenverhältnisse, der sogenannten "Tizianschen Formel", die er aus dem Studium der Alten Meister gewonnen hatte. Aber dieser mathematische Ansatz im Sinne des Goldenen Schnitts wurde sogleich mystifiziert, mit geheimer Symbolik aufgeladen. Die Bekanntschaft mit dem Nabi-Künstler Sérusier und der durch ihn vermittelten Kehre von den "Heiligen Maßen" und der Kloster-Beuron-Ästhetik hat diese Neigung im Hölzel-Kreis noch verstärkt. Das Gegeneinander von rationalen und irrationalen Impulsen sieht man an den Bildern von Hölzel selber, der in Bielefeld mit rund vierzig Arbeiten vertreten ist. Vor allem bei Otto Meyer-Amden, der Schlemmer sowohl wie Baumeister entscheidend beeinflußt hat. Von ihm, von seinem "Bronzekopf" und den "Gekreuzten Figuren", schreibt Schlemmer, habe er gelernt, "mit eigentlich nach innen gerichtetem Auge die Linien der Empfindung des eigenen Körpers nachzuziehen".

Düsseldorf Bis zum 25. August, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen: "Günter Weseler"

Seit acht Jahren geistern Weselers Atemobjekte durch die deutsche und europäische Kunstszene und erregen Heiterkeit, Furcht, Widerwillen, physischen oder metaphysischen Ekel, die unterschiedliche Reaktion liegt einerseits in der nervlich robusten oder feinfühligen Konstitution des Betrachters, andrerseits in der wechselnden Funktion, die der Schöpfer seinen Objekten zugedacht hat (die freilich alle nach dem gleichen Prinzip konstruiert sind). Weseler arbeitet mit struppigen Tierfellen, die sich dank eines elektromotorischen Antriebs- und Steuerungssystems in programmierten Rhythmen wie Tiere bewegen. Sie atmen, blähen sich, gehen auseinander, schließen sich zusammen, sie benehmen sich animalisch, sie täuschen Leben vor: organische Kinetik. Ihren komischen oder schockierenden Effekt verdanken die zuckenden Felltiere der räumlichen Situation, in der Weseler sie agieren läßt. Sie liegen im Kinderbett, hängen im Vogelkäfig, räkeln sich im Sofa, überwuchern Schrank und Wände. "Eigentlich war das Gitter des Kinderbettes nur als Schutz gedacht, damit sich niemand auf das liegende atmende Wesen setzt... aber dabei entdeckte ich, daß das Objekt plötzlich einen ganz anderen Charakter annahm: etwas ganz unziemlich Bedrohliches, Gewalttätiges ging von ihm aus." Mit dem Kinderbett war ihm zufällig gelungen, was er seitdem absichtlich und kunstvoll, häufig unterstützt durch die passende, untermalende Geräuschkulisse von knarrenden, rasselnden, blubbernden oder elektronischen Tönen zu den verschiedensten Anlässen inszeniert hat: das Environment. Auf der Düsseldorfer Retrospektive sind die meisten Weseler-Stücke, die in den letzten Jahren Furore machten, zu besichtigen. "Das Ungeheuer von Loch Kettwig", die große Sommergaudi im Gruga-Park 1972, und das makabre Gegenstück für die Edinburger Festspiele "Atembanquett", wo sich die schrecklichen Pelztiere über Schüsseln, Teller und Brote an der gedeckten Tafel hermachen, sowie das bisher eindrucksvollste aller Weseler-Environments, die "Künstliche Landschaft für Schloß Morsbroich 1969", eine düstere Endzeitvision mit schwarzer Schaumstoffschlacke, verbrannten Bäumen und wuchernden Organismen. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen

Berlin Bis zum 10. September, Galerie Nierendorf: "Die Maler der Brücke"