Max Grundig jedenfalls erhielt die Genehmigung, obwohl er nur die unverbindliche Verpflichtung anerkannte, die Arbeitsplätze in Bayern mit Vorrang zu erhalten. In der Verfügung, der sich der fränkische Selfmademan unterwerfen mußte, heißt es, daß "die Schließung von bayerischen Betriebsstätten besonders sorgfältiger wirtschaftlicher Betrachtung unterliegt." Im Falle akuter Not dürfte diese Verfügung eine drastische Einschränkung der Produktion kaum verhindern.

In München weiß man, daß sich vor allem das Wirtschaftsministerium für die Genehmigung der Grundig-Stiftung stark gemacht hat. Der frühere Wirtschaftsminister Otto Schedl, seit Jahren mit Max Grundig bestens bekannt, sitzt auch im Kuratorium und im Aufsichtsrat der Grundig AG.

Grundig-Rechtsanwalt und Stiftungs-Kurator Adolf Helm versichert, daß es Max Grundig keinesfalls darum gegangen sei, der gemeinnützigen Stiftung prinzipiell auszuweichen: "Die Frage .gemeinnützig oder nicht‘ war sekundär." Den Ausschlag hätten vielmehr die strengen Bestimmungen des bayerischen Stiftungsgesetzes gegeben. Es verpflichtet gemeinnützige Stiftungen, alle Grundstücksgeschäfte über 3000 Mark und sonstige Geschäfte ab 10 000 von der Aufsicht genehmigen zu lassen. Aus diesem Grunde sei diese Rechtsform für Grundig völlig unpraktikabel gewesen.

Daß der Fürther Familienunternehmer den Münchener Stiftungsbehörden im Falle einer Verweigerung der Gründungserlaubnis mit der Verlagerung von Teilen der Produktion gedroht habe, bestreitet Grundig-Anwalt Helm kategorisch. Er läßt offen, ob sich der Konzerngründer das Gros der Erträge aus dem Stiftungsvermögen, der Grundig AG, auf Lebenszeit vorbehalten habe. Auf die Frage, wieviel denn der Multimillionär der Stiftung zukommen lassen wolle, schweigt Helms unter Berufung am seine Schweigepflicht als Anwalt. Grundigs zurückhaltender Rechtspfleger bedauert im übrigen, daß Bonn jetzt "den zweiten Schritt vor dem ersten getan" und eine härtere Besteuerung der Familienstiftungen beschlossen habe, ohne vorher das Stiftungsrecht zu vereinheitlichen. Wie die vorerst im Bundesjustizministerium beratene Reform des Stiftungsrechts aussehen wird, die auch bereits der Deutsche Juristentag und eine parlamentarische Arbeitsgruppe diskutierten, ist allerdings noch ungewiß.

CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf sähe es am liebsten, wenn das Rechtsinstitut der Stiftung überhaupt nicht mehr als "organisatorischer Rahmen für erwerbswirtschaftliche Tätigkeiten" zur Verfügung stünde, schon wegen der Gefahr eines Rechtsmißbrauchs. Nach Ansicht des Jura-Professors. und zeitweiligen Henkel-Managers sollte die Stiftung vielmehr "primär im Bereich von Forschung und Bildung angesiedelt Werden."

Wie Biedenkopf denken die meisten Mitglieder des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Sie stört es, daß auch solche Einrichtungen "unter dem Dach der Stiftung Unterschlupf finden, die nur den Anschein der Philantropie erwecken, in Wirklichkeit jedoch keinen gemeinnützigen Zielen nachgehen", so Karl Werner Kieffer, Kuratoriumsvorsitzender der mit Aktien des Kaiserslautener Nähmaschinen-Unternehmens C. M. Pfaff ausgestatteten Michael Pfaff Gedächtnis-Stiftung. Allerdings plädiert der Pfaff-Kurator nicht für eine Abschaffung der Familien-Stiftung, sondern nur für eine neue Bezeichnung, der nicht falsche Vorstellungen von Gemeinnützigkeit hervorruft. Die Verwischung der Unterschiede zwischen beiden Stiftungs-Arten liefere den grundsätzlichen Gegnern von Stiftungen unnötigerweise "billige Munition.."

Einen der wichtigsten Gründe für das lädierte Ansehen der Familienstiftungen sehen nicht nur notorische Kritiker in dem verbreiteten Mangel an Publizitätsbereitschaft. Es beginnt damit, daß die Satzungen in der Regel als geheime Verschlußsache behandelt werden. So weigert sich das bayerische Innenministerium hartnäckig, Einblick in die Satzung der Grundig-Stiftung zu gewähren. Bei Flick und Karg wird eine noch restriktivere Publizitätspolitik aufrechterhalten. Selbst das unternehmerfreundliche "Handelsblatt" mokierte sich darüber, daß über die drei Flickschen Familienstiftungen außer ihrem Namen buchstäblich nichts zu erfahren ist, obwohl sie an der Flick KG zusammen mit 57,6 Prozent beteiligt sind.

Karl-Heinz Sohn, Ex-Staatssekretär im Bonner Entwicklungshilfe-Ministerium und vormals Vorstandsmitglied der Krupp-Stiftung, gab den Kritisierten Überlebenshilfe. Sohns Rat: Keine traditionellen Herrschaftsformen in die Zukunft hinüberretten zu wollen, sondern experimentierfreudig zu sein und Risiko zu übernehmen.