Aufgabe für Generationen

Von Ulrich Schmidt

In dem linken Pfahlbau haust der Vogelwart. In dem rechten sitzen die Männer von der Forschungsgruppe. Für die übrige Welt gilt der Pfahl mit dem Schild am Südrand der Insel: Betreten verboten.

Für Wattwanderer mit Industrieprojekten im Kopf muß man sich jedoch an dieser Stelle ein girlandengeschmücktes Tor mit etwas Blasmusik im Hintergrund denken: Herzlich willkommen. Denn die Freie und Hansestadt Hamburg plant hier an der Nordseeküste, auf der Sandinsel Scharhörn, fernab vom Michel und dennoch auf eigenem Grund, einen Tiefwasserhafen. Sein Bau soll Industrie und Elektroenergie in die unterentwickelte Deutsche Bucht bringen: Der bequeme Antransport von Kohle, Erz und Rohöl ist günstig für Stahlwerke und Ölraffinerien, und der unbegrenzte Kühlwasservorrat lädt ein zur Ansiedlung von Atomreaktoren.

Nirgendwo sonst an der flachen deutschen Nordseeküste bietet die Natur tiefgehenden Schiffen die Möglichkeit, so dicht an das Ufer heranzukommen. Der Name sagt es schon. Scharhörn, in alten holländischen Segelhandbüchern Schoerhoek, heißt "Biegung am steilen Ufer". Bereits 1299 wird der "Sand draußen im Meer, Riff genannt", als gefährlich für die Seefahrt bezeichnet.

Zwar wandert der Sand des ostfriesischen Wattenmeers mitsamt den Inseln seit Menschengedenken in östlicher Richtung. Doch setzt der auslaufende Elbestrom dieser Bewegung bei Scharhörn eine Grenze. Hier wird der Treibsand weggedrückt, das "steile Ufer" am 20 Meter tiefen Wasser bleibt für immer erhalten.

Günstig für Tankerriesen