Von Hans Otto Eglau

Ausgerechnet Seine beiden Amtsvorgänger wollen Krupp-Generaldirektor Ernst Wolf Mommsen bei einem verheißungsvollen Fischzug zuvorkommen. Das Beuteobjekt der drei Kruppianer: Die Stahlwerke Südwestfalen AG im siegerländischen Geisweid, Deutschlands führendes Edelstahlunternehmen.

Mommsens Gegenspieler: Juergen Krackow, Chef der saarländischen Stahlgruppe Röchling-Burbach und sein Aufsichtsratsmitglied Günter Vogelsang; Zur Disposition steht Südwestfalen, weil zwei Großaktionäre, der Münchener er Privatbankier August von Finck und der Versicherungskonzern Allianz, bereit sind, sich von ihren Aktienpaketen in Höhe von 37 und 31 Prozent zu trennen.

Mit dem Griff nach dem Edelstahl-Marktführer (Umsatz 1973: rund 1,49 Milliarden Mark) hat der Krupp-Konzern nach siebenjähriger Gesundung wieder auf Expansion umgeschaltet. Erste Anzeichen für eine Neuorientierung in der Unternehmenspolitik registrierte die Branche bereits in den letzten Monaten, als Mommsen seinem Konzern die im Anlagenbau tätigen Firmen Buckau-Walther AG Grevenbroich/Köln und Koppers in Essen einverleibte.

Mit dem Griff nach dem Edelstahlmarktführer fixierte der seit 18 Monaten amtierende Krupp-General gleichzeitig auch sein Unternehmensziel: das Essener Montan-Konglomerat in eine "Ingenieurfirma mit Produktion" zu verwandeln. Mommsen: "Die typischen Krupp-Produkte tragen Krupp nicht mehr; statt in Deutschland die Produktion weiter zu erhöhen, werden wir die Ingenieurarbeit im Sinne eines reinen Engineering weiter verstärken."

Daß die symbolträchtigen drei Krupp-Ringe in der Welt bald nicht mehr für Stahl und Kanonen, sondern für zukunftsträchtig Technologiesysteme stehen könnten, will altgedienten Kruppianern allerdings nicht so leicht in den Kopf. Für sie war es schon unbegreiflich, daß sich ihr Konzern nach seiner Finanzkrise im Frühjahr 1967 von so traditionsreichen Teilen wie der Lastwagenfertigung, dem Krupp-Kaufhaus, dem Hotel "Essener Hof" und zu Beginn dieses Jahres auch noch von den Kruppschen Konsumanstalten mit insgesamt 87 Läden trennte.

Zwar verhalf die von Sanierer Vogelsang verordnete Roßkur und der anhaltende weltweite Stahlboom Krupp zu einer spürbaren Verbesserung seiner finanziellen Lage; doch sind Rendite und Eigenkapitalausstattung des Konzerns im Vergleich zu führenden Konkurrenten immer noch bescheiden. Überdies muß die allein von der Krupp-Stiftung abhängige GmbH mit dem Handikap fertig werden, im Unterschied zu Publikums-Aktiengesellschaften nur schwer neues Kapital aufnehmen oder – wie etwa Thyssen bei Rheinstahl oder Mannesmann bei Demag – größere Firmen mittels Aktientausch übernehmen zu können.