Italiens kommunistische Gewerkschaft CGIL wurde Mitglied im Brüsseler Dachverband

Gleich zwei Abstimmungsniederlagen auf einmal handelte sich Heinz Oskar Vetter, DGB-Chef und derzeit Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), in der vergangenen Woche ein. Gegen die drei Stimmen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) sprach sich die Mehrheit im Exekutivausschuß für die Aufnahme der sozialistisch-kommunistisch orientierten italienischen Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL) in den Dachverband der westeuropäischen Gewerkschaften aus.

Zuvor hatten Vetters Mannen in einer Tagesordnungsdebatte – vergeblich – versucht, den Punkt "Aufnahme neuer Mitglieder" streichen zu lassen und die Entscheidung über das Beitrittsgesuch der mit 3,8 Millionen Mitgliedern größten italienischen Gewerkschaft auf den Herbst zu vertagen. Nur wenige Delegierte folgten den Vorschlägen ihres Präsidenten. Mit den Deutschen stimmten der Vertreter der französischen Force Ouvrière sowie die Abgesandten der christlichen Gewerkschaften der Schweiz, Luxemburgs und Belgiens gegen den Anschluß der linken Italiener.

"Die Kollegen", so faßte ein Sitzungsteilnehmer die dreistündige Debatte der Bosse von 29 Organisationen aus 17 westeuropäischen Ländern zusammen, "haben schon ein Jahr lang darüber diskutiert und wollten die CGIL nicht länger hinhalten."

Noch bevor der EGB im Februar 1973 gegründet war, wurde in den Gewerkschaftsvorständen darüber diskutiert, wie die neue Organisation sich gegenüber den kommunistischen Gewerkschaften Westeuropas – namentlich Italiens und Frankreichs – abgrenzen solle. Die CGIL hatte, nachdem im Sommer 1972 die Bemühungen um eine Fusion mit den beiden anderen italienischen Gewerkschaften UIL (800 000) und CISL (zwei Millionen) gescheitert waren, in Brüssel vorgefühlt und durchblicken lassen, daß man sich von den Genossen im kommunistisch gelenkten Weltgewerkschaftsbund distanzieren und die Kooperation mit den freien Gewerkschaften Westeuropas suchen wolle.

Grund für die Schwenkung war unter anderem die für die CGIL unbefriedigend verlaufene Zusammenarbeit mit der kommunistischen französischen Gewerkschaft CGT auf europäischer Ebene. Erst nach langem Zureden hatten sich die Genossen in Paris von der Nützlichkeit eines gemeinsamen Büros in Brüssel überzeugen lassen, um die Interessen der Mitglieder besser gegenüber den Institutionen vertreten zu können. Doch im Vergleich zu den Aktivitäten der damals noch im EBFG (Europäischer Bund Freier Gewerkschaften in der Gemeinschaft) zusammengeschlossenen Syndikate erzielte die rote Lobby bei den Bürokraten nicht viel Resonanz.

Die unter dem Druck des britischen TUC zustande gekommene Neugründung des EBFG als Europäischer Gewerkschaftsbund vermied die regionale Begrenzung auf die Gemeinschaftsländer und vereinigte vom finnischen Gewerkschaftsverband bis zur im Exil wirkenden baskischen Arbeitersolidarität rund 30 Millionen organisierte Arbeitnehmer unter einem Dach. Die Briten verstanden die geographische Öffnung von Anfang an auch als eine ideologische. In der sowjetischen Gewerkschaftszeitung Trud schrieb TUC-Chef Victor Feather im August 1973, der EGB stehe allen Gewerkschaften offen und damit meine er nicht nur die westlichen.