Wenn auch nur die geringsten Zweifel an der wahren Natur des südkoreanischen Regimes bestanden haben sollten, jetzt haben die Machthaber sie vollends beseitigt. Vierzehn Todesurteile fällten die Sondergerichte. Auch bei den übrigen Urteilen in den Massenprozessen zeigten die Militärrichter keinerlei Skrupel: lebenslängliche Zuchthaus- und langjährige Gefängnisstrafen wurden gegen "Feinde des Regimes" verhängt. Wer in Südkorea anders denkt als der Diktator, wer überhaupt denkt, wird als Feind Park Chung Hees angesehen, als Feind des Systems: Studenten, Intellektuelle, progressive Christen. Die Kriegsrechtsverordnung Nummer vier hat der Willkür Tor und Tür geöffnet: die Todesstrafe droht allen Kritikern.

Die Studentenunruhen vom vergangenen Oktober, das Aufbegehren an den Universitäten im April haben Park in Panik versetzt. Seitdem rollt die Verhaftungswelle. Wer unliebsam auffällt, wird als "kommunistischer Spion" gebrandmarkt. Dieser Begriff soll den Eindruck erwecken, als gäbe es noch Unterschiede zwischen der totalitären Herrschaft Kim II Sungs im Norden der koreanischen Halbinsel und den antidemokratischen Terrormethoden Parks im Süden. Kim Il Sung freilich hat nie ein Hehl daraus gemacht, ein kommunistischer Diktator zu sein; Park Chung Hee aber gilt immer noch als Partner der westlichen, der freien Welt. Vy.