Eine Reihe von Entwicklungen in der Watergate-Auseinandersetzung hat Richard Nixons Position während der letzten Tage weiter geschwächt. John Ehrlichman, ehemals einer der engsten Berater des Präsidenten, wurde von einer Jury des Meineids und der Verschwörung für schuldig befunden, und in ihren Untersuchungsberichten haben der Sonderausschuß des Senates und der Justizausschuß des Repräsentantenhauses den Präsidenten weiter belastet.

Mit John Ehrlichman wurde ein Mitarbeiter des Weißen Hauses für schuldig befunden, den Nixon noch vor etwas mehr als einem Jahr als einen der hervorragendsten Staatsdiener bezeichnete, den er je gekannt habe. Ehrlichman ist angeklagt, den 1971 verübten Einbruch in die Praxis des Psychiaters von Daniel Ellsberg, der die Veröffentlichung geheimer Papiere über die amerikanische Vietnampolitik möglich gemacht hatte, inszeniert zu haben. Ehrlichman droht nun eine Höchststrafe bis zu 25 Jahren Gefängnis.

Der Schuldspruch gegen den ehemaligen Chefberater des Präsidenten wird als ein schwerer Schlag für Nixon gewertet. Auch die Veröffentlichung ergänzter Tonbandprotokolle durch den Justizausschuß des Senates läßt Richard Nixon in noch ungünstigerem Licht erscheinen als zuvor. Als besonders belastend gelten Äußerungen, die Nixon am 22. März 1973 in Gegenwart seines engsten Beraterstabs machte. Eine der diskriminierenden Passagen lautet: "Es ist mir scheißegal, was passiert. Ich will, daß ihr alle mauert, sie sollen sich auf den fünften Verfassungszusatz (Recht auf Aussageverweigerung) berufen, die Sache vertünchen oder sonst etwas unternehmen ... was den Plan rettet. Nur darum geht es."

Wenn diese Aussage Nixons im größeren Zusammenhang der besagten Unterredung auch einiges von ihrer Eindeutigkeit verliert, so hat sie doch die Vermutung bestärkt, daß der Präsident an einer Vertuschung der Watergate-Aufklärung beteiligt war. Es fiel besonders auf, daß diese diskriminierenden Sätze in den offiziellen Watergateprotokollen des Weißen Hauses überhaupt nicht registriert wurden.

Der Justizausschuß des Repräsentantenhauses hat inzwischen die Veröffentlichung weiterer Dokumente über den ITT-Skandal und die Wahlspendenaffäre der Milchindustrie angekündigt. Während der Spruch des Gremiums, ob ein Amtsenthebungsverfahren im Repräsentantenhaus eingeleitet werden soll oder nicht, weiter aussteht, hat der Sonderausschuß des Senats in der vergangenen Woche einen Schlußstrich unter seine Arbeit gezogen.

Im Abschlußbericht wird der Watergateskandal als eines der "tragischsten Geschehnisse Amerikas" bezeichnet. Die Frage, ob Präsident Nixon sich schuldig gemacht habe, und ob er seines Amtes enthoben werden sollte, werden von dem siebenköpfigen Gremium nicht beantwortet. Einstimmig schlagen die Senatoren jedoch Änderungen des amerikanischen Wahlkampfverfahrens vor, die eine Wiederholung der skandalösen Praktiken, die unter dem Sammelbegriff Watergate bekannt wurden, verhindern sollen.

Die wichtigsten unter den rund 35 Änderungsvorschlägen: Einsetzung einer Wahlkommission zur ständigen Überwachung von nationalen Wahlkampagnen und die Ernennung eines öffentlichen Anklägers, der auf die Durchsetzung der entsprechenden Bestimmungen frei von Einmischungsversuchen durch die Exekutive hinarbeiten soll. Eine staatliche Regelung der Wahlkampffinanzierung lehnt der Ausschuß ab, plädiert jedoch für eine generelle Obergrenze von 3000 Dollar an Wahlspenden von Einzelpersonen. Im Ausschußbericht wird weiter empfohlen, dem Präsidenten striktere Kontrollen aufzuerlegen, so daß beispielsweise das Aufstellen geheimer Spezialeinheiten wie der "Klempner" künftig unmöglich gemacht wird.