Die Öffentlichkeit weiß inzwischen, daß es Bewährungshelfer gibt. Doch welche Aufgaben ein Gerichtshelfer hat, ist selbst im Bereich der Justiz und der Sozialarbeit nahezu unbekannt.

Was soll der Gerichtshelfer? Der Gerichtshelfer hat die Aufgabe, Persönlichkeit und Umwelt des Strafverdächtigen für die Ermittlungsarbeit zu erforschen, er soll diesem aber auch bereits vor der Verhandlung erste soziale Hilfestellung bieten. Diese Hilfe sollte der Gerichtshelfer zusammen mit der Familienfürsorge und der Entlassungshilfe übernehmen. So jedenfalls lautet die Theorie. In der Praxis aber sieht das anders aus. Da nämlich wird der Gerichtshelfer zum Spitzel, der das Vertrauen des Verdächtigen mißbraucht, indem er über ihn Fakten für die Ermittlungsbehörde besorgt – eine Aufgabe, die mit Sozialarbeit nichts mehr zu tun hat.

Im Regelfall wendet sich der Staatsanwalt zwischen Anklageerhebung und Eröffnungsbeschluß an den Gerichtshelfer. Der Gerichtshelfer gibt seinen Bericht an den Staatsanwalt. Viele Staatsanwälte versprechen sich vom Gerichtshelfer Informationen, die man sonst aus einem Strafverfolgten nicht herausbringt. Ein Gerichtshelfer: "Ich frage mich, wie es mir ergehen würde, wenn ich als Straffälliger hören müßte, daß mein Gegenüber nicht für mich da ist, sondern für die Justiz arbeitet. – Der Straffällige kommt doch zu uns in der Annahme, daß ihm geholfen wird." Statt dessen versucht sein Gesprächspartner, über die "soziale Tour" herauszubekommen, was kriminalistisch nicht zu ermitteln war.

Die soziale Komponente der sozialen Gerichtshilfe kommt entschieden zu kurz. Ein Beispiel: In den meisten Fällen bekommen die Staatsanwälte, die den Auftrag erteilt haben, die Berichte gar nicht mehr in die Hand, denn die Ermittlungen sind abgeschlossen und die Akten bereits beim Gericht. Zur Hauptverhandlung wird der Staatsanwalt erst kurz vor der Verhandlung bestimmt. Dann ist es aber meist schon ein anderer Staatsanwalt als derjenige, der ermittelte.

Den Termin der Verhandlung erfährt der Gerichtshelfer nur im Ausnahmefall. Über deren Ausgang erfährt er nichts. Das reduziert die Tätigkeit des Gerichtshelfers auf die Ermittlungsarbeit und teilweise auf Aufgaben, die eigentlich Sache der Polizei sind. Ein Drittel der Arbeit wird als berufsfremde Tätigkeit eingestuft. Viele "Fälle" werden lediglich nach den vorliegenden Akten begutachtet. Der Sozialarbeiter hat den begutachteten Menschen nie gesehen.

An fünfundzwanzig Orten der Bundesrepublik wird Gerichtshilfe betrieben (vor 1933 waren es über 200). Fünfundfünfzig Gerichtshelfer arbeiten in Berlin, acht in Hamburg, zwei in Frankfurt. Der Rest wurstelt in Ein-Mann-Betrieben so vor sich hin. In Bayern, Schleswig-Holstein und im Saarland kommt die Justiz auch ohne das "soziale Alibi Gerichtshilfe" (so ein Gerichtshelfer) aus. Nur in Berlin und in Frankfurt sind die Helfer als Sozialarbeiter für die Kommunalbehörde tätig, in den anderen Ländern gehören sie zur Justiz.

Die Ein-Mann-Institutionen sind zwangsläufig isoliert. Alle Versuche, die soziale Gerichtshilfe gesetzlich zu verankern, sind bis jetzt gescheitert. Während bis 1932 die Kommunalverwaltungen, freie oder konfessionelle Verbände Träger der Gerichtshilfe waren, versucht man heute, die Gerichtshilfe an die Landesjustizverwaltungen oder an die Gerichte anzuschließen.