Noch mehr als in früheren Jahren ist der ordentliche Parteitag der CSU am Freitag und Samstag letzter Woche in München zu einer außerordentlichen Ein-Mann-Show um Franz Josef Strauß geworden. Über 600 Delegierte der inzwischen auf 120 000 Mitglieder angewachsenen bayerischen Partei hörten bei den verschiedenen Auftritten ihres Parteivorsitzenden fast ausschließlich bundespolitische Aussagen, die wiederum heftige Angriffe auf die CDU-Politik, vor allem im Bundestagswahljahr 1972, enthielten und der Bonner SPD/FDP-Koalition eine Rundum-Opposition verhießen.

Die Landtagswahlen in Bayern am 27. Oktober erhielten von Strauß den Rang eines "Meilensteines" nicht nur für die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch für Europa. Strauß: "Europa wird nur dann Entspannung erhalten und den Frieden sichern, wenn es aus seinem bejammernswerten Zustand von heute wieder herauskommt. Und es wird aus diesem Zustand nur herauskommen, wenn die Bundesrepublik wieder ein wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und außenpolitischer Stabilisierungsfaktor wird." Dies sei nur möglich durch die "Rückkehr der Union in die Bonner politische Verantwortung 1976". Das Thema einer vierten Partei schnitt Strauß nur indirekt an, als er sagte, es sei nicht seine Absicht, aus Unkenntnis oder Bosheit die Unionsparteien zu zerstören.

Strauß prägte das Schlagwort, das sich die Union als "Alternative und nicht als Variante" der Bonner Regierungspolitil verstehen müsse. Erst hinter diesem Rang sei auch die Frage eines Kanzlerkandidaten zu regeln.

Strauß wurde mit 95 Prozent der gültigen Stimmen (556 von 584) zum achten Male und mit der größten bisher erzielten Mehrheit gewählt. Eine Überraschung war lediglich die enorm hohe Stimmen zahl für Kultusminister Hans Mayer, de wider Erwarten für den Landesvorstand kandidierte und auf Anhieb 553 von 624 Stimmen erhielt.