Volksaktionäre haben’s gut. Beim VW-Werk jedenfalls. Nicht mehr – leider – mit ihrem "Wertpapier". Aber doch so, als Menschen. Zum Feste ihrer jährlichen Versammlung spielt regelmäßig die freiwillige Feuerwehr oder sonst eine fröhlich-uniformierte Band. Und um 12 Uhr beginnt – unabhängig vom jeweiligen Versammlungsstand – das große Würstchenessen. Mit Kaffee (der weniger dünn sein soll als im benachbarten Holiday Inn-Hotel) oder Saft (den man sich schlechter nicht vorstellen mag), ohne Bier allerdings.

Derweil nimmt im Saale drinnen die Veranstaltung ihren Lauf. Und neben den braven Bankenvertretern, die ihr Pensum abspulen, und Profis, wie Kurt Fiebich, der auch schon besser war, sucht hier der "kleine Mann" Profil. Er tut es ohne große Hoffnung auf entscheidende Wirkung, dafür um so lauter. Und er sucht legitimerweise Antwort auf Fragen, Fragen...

Sich ihnen zu stellen ist Pflicht auch des Aufsichtsrates. Und gerade jene Mandatsträger, die sich wie der Chef der Westdeutschen Landesbank, Poullain, als Interessenwalter der Kleinen sehen, sind gefragt und besonders in die Pflicht genommen. Wo aber war in diesem Jahr Ludwig Poullain? Dies war eine der ersten Fragen aus dem Saal. Die Antwort: "Er hält sich in einem Sanatorium auf." Eine zufriedenstellende Erklärung.

Allerdings: Zwar war Poullain zur Kur, doch er hatte sie rechtzeitig genug beendet, um am Tage nach der Hauptversammlung live im Fernsehen zu erscheinen. Dort saß er einer verbindlich fragenden und ihm sichtlich wohlgesonnenen Interviewerin gegenüber. Unangenehm konnte das nicht werden, bundesweite Publicitiy war gewiß. Die VW-Aktionäre aber, die mit ihm diskutieren wollten, deren Geschicke ihn direkt und von Amts wegen angehen, sind nun mit Recht vergrätzt. rf