Agrarwissenschaftler machen sich Sorgen über die stark ansteigenden Studentenzahlen. Die Universität Stuttgart-Hohenheim etwa, eine der renommiertesten Ausbildungsstätten für Diplom-Agraringenieure in der Bundesrepublik, befürchtet Schwierigkeiten, "eine ausreichende Anzahl von Studienplätzen bereitzustellen" und für die Studierenden die Gefahr, "nach Abschluß des Studiums keine angemessene Berufstätigkeit zu finden".

Diese Zurückhaltung hinsichtlich der Berufsaussichten für Diplom-Agraringenieure hat ihre Ursache in der schrumpfenden Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft in der Volkswirtschaft. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt ging von 9,1 Prozent (1950) auf 3,4 Prozent (1973) zurück, im gleichen Zeitraum verminderte sich der Anteil der im "Agrarbusiness" Beschäftigten am Anteil aller Erwerbstätigen von knapp 25 Prozent auf 7,5 Prozent. Dennoch ist die Zahl der Landwirtschaftsstudenten in den vergangenen Jahren sprunghaft gewachsen: Vom Wintersemester 1968/69 bis zum Wintersemester 1973/74 um etwa 75 Prozent. Sind die zukünftigen Agrarökonomen, die diplomierten Pflanzen- und Tierzüchter Illusionisten, die auf einem angeblich enger werdenden Arbeitsmarkt einen Job fürs Leben zu finden hoffen?

Die Mehrzahl der Studierenden im Fach Agrarwissenschaften verfolgt jedoch andere Interessen. Es sind vor allem numerus-clausus-Geschädigte der Fächer Medizin und Biologie, die später in ihr gewünschtes Fach überwechseln wollen. "Die Zahl der Studienanfänger ist überhaupt nicht aussagekräftig", wendet sich Eckart Meier, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Akademiker für Landwirtschaft, Ernährung und Landespflege (VDL), denn auch gegen die Panikmache und die versteckten Andeutungen über Zulassungsbeschränkungen an landwirtschaftlichen Fakultäten.

Mit Recht: Denn von den Studienanfängern des Wintersemesters 1968/69 waren 99 Prozent auch im dritten Semester noch den Agrarwissenschaften treu geblieben. Dagegen hatte bereits ein Drittel der Studenten, die sich zum Wintersemester 1972/73 immatrikulierten, im dritten Semester das Fach gewechselt. Nach Meiers Schätzungen beabsichtigt etwa die Hälfte der jetzigen Erstsemester ihr Landwirtschaftsstudium vorher abzubrechen, um mit Anrechnung ihres Grundstudiums den Arztberuf anzusteuern. Meier: "Die Zahl der diplomierten Agraringenieure wird in den nächsten zwei Jahren eher stagnieren oder leicht rückläufig sein, so daß ein großes Angebot von freien Stellen auf ein geringeres Angebot von frisch examinierten Agrarwissenschaftlern trifft. Deshalb sind die Berufsaussichten als relativ günstig zu bezeichnen."

Doch nicht uneingeschränkt: Wenn, wie der VDL vermutet, die Studienordnung für Mediziner geändert wird, entfällt die bisher mögliche Anerkennung der Anfangssemester des Agrarstudiums. "Dann sitzen alle die, die mit Landwirtschaft angefangen haben, in der Falle", so Meier, und es bestehe die Gefahr, daß es zu einem Überhang an Diplom-Agraringenieuren kommt.

Freilich: Nicht jeder Agrarwissenschaftler, der nach bestandenem Examen keinen passenden Job findet, mag sich auf den väterlichen Hof zurückziehen. Überdies haben die Diplomierten, die zum großen Teil von Höfen stammen, durch das achtsemestrige Studium oft den engen Kontakt zur Landwirtschaft verloren. "Höchstens drei Prozent aller Diplom-Agraringenieure sind Leiter von landwirtschaftlichen Betrieben", schätzt Walter Wehner, zuständig für die Vermittlung akademisch ausgebildeter Landwirte in der Frankfurter Zentralstelle für Arbeitsvermittlung.