BMW-Vertriebschef Lutz übernimmt den Vorstandsvorsitz bei Ford

Hans Schaberger gab sich stets zuversichtlich. Gefragt, wie lange er sich wohl auf dem heißen Stuhl des deutschen Ford-Generals werde halten können und wie denn er die übernommene Ford-Krise lösen wolle, wußte er immer beschwichtigende Antworten. Nun, genau ein Jahr nach seinem Amtsantritt, ist das Problem Ford weiter ungelöst, dafür ist die damit, zusammenhängende Frage seiner Amtsdauer beantwortet.

Schaberger, nach Ansicht von Ford-Leuten im Konzern "ein höchst angesehener Mann", hielt sich noch weniger lang als seine Vorgänger. Dafür, daß er geht, wurde er, wie die meisten seiner Vorgänger, befördert: in den Aufsichtsrat von Ford Köln und zum Vize-Präsidenten von Ford-Europa, zuständig für die Koordinierung von sechs Fabriken mit insgesamt 62 000 Mitarbeitern. Wer wollte diese Aufgabe für gering halten, wer aber auch akzeptieren, dies sei ein angemessenes Tempo für job-rotation, mithin normal und des Nachdenkens nicht wert?

Schaberger war, das muß notiert werden, der erste Techniker auf dem höchsten deutschen Ford-Stuhl, und er arbeitet bereits seit 20 Jahren für die Kölner. Seine Nominierung war wohl nicht zuletzt der – erfolglose – Versuch, von der für das deutsche Geschäft unseligen angelsächsischen Dominanz bei Ford loszukommen.

Vielleicht schafft es der Nachfolger: Robert Anthony Lutz, in gewisser Hinsicht "eine ideale Integrationsfigur" (Ford-Sprecher Gäb). Lutz ist ein Mann mit amerikanischem und schweizerischem Paß. Er kennt – schließlich war er zuvor Verkaufschef bei BMW, davor bei Opel – die Bedürfnisse und Eigenheiten des deutschen Marktes. Und so ist er – vielleicht – tatsächlich der Mann, der Amerikanern und Briten in deren Sprache und Denkweise klarzumachen versteht, welche Autos hierzulande Chancen haben.

Daß er allerdings eine Integrationsfigur ist und nicht doch besser als Kompromißkandidat zu charakterisieren wäre, das unterliegt zumindest leisem Zweifel. Zwar frohlockte noch Anfang 1972 BMW-Chef Kuenheim, als er seinen ungeliebten Verkaufschef Hahnemann gegen Lutz eintauschen konnte, er sitze nun einem Vorstand von "ganz seltener Harmonie" vor. Doch die Zeiten änderten sich.

Das wurde spätestens deutlich, als Lutz anläßlich der Internationalen Frankfurter Automobilausstellung IAA 1973 bei der Vorstellung des aggressiven BMW "2002 turbo" seinem forschen Temperament allzu freien und unglücklichen Lauf ließ. Manche Kritiker waren der Ansicht, es sei zumindest psychologisch ungeschickt, das Sportlichkeitsimage so ungeschützt zu verteidigen.