Der Autoabsatz geht zurück, die Bauwirtschaft hat Sorgen. Die Verbände rufen nach Hilfe. Muß die Bundesregierung einspringen?

Wenn Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs auf seiner Urlaubsinsel Gotland die Bildzeitung bekommen hat, muß er

auf seinen Staatssekretär Rohwedder (SPD) mächtig stolz gewesen sein. Denn besser hätte er selbst das Hilfeersuchen der deutschen Automobilindustrie nicht zurückweisen können. "Ich sehe nicht", sagte Rohwedder dem Reporter, "wie der Staat die Autoindustrie wieder flottmachen könnte. Wir haben die Marktwirtschaft. Die gilt nicht nur in guten Zeiten, sondern auch dann, wenn der Wind einmal ins Gesicht bläst."

Solch eine Abfuhr war fällig. Verbandspräsident von Brunn hat Mut, wenn er 1974 dem Staat eine ganze Liste von Wünschen präsentiert, nur weil es einigen Unternehmen der Autobranche schlechter geht, als sie es in den letzten Jahren gewohnt waren.

Gewiß: Aufwertung, Inflation, Benzinpreise und Konjunktur haben der Autoindustrie hart zugesetzt. Aber ihre Manager scheinen kein Gedächtnis zu haben. Sie müssen vergessen haben, daß ihre Kollegen (wahrscheinlich auch sie selbst) und ihre Verbände bei jedem öffentlichen Auftritt daraufhinweisen, daß unser Wohlstand auf die allen anderen Wirtschaftsordnungen überlegene Marktwirtschaft mit risikobereiten Unternehmern zurückzuführen sei und daß es darum gelte, sie gegen alle ihre Feinde mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Es muß ihnen auch entfallen sein, daß sie beim Dialog mit den Gewerkschaften oder mit dem Kartellamt nicht ohne Stolz darauf bestehen, daß ihnen keiner in die Karten schauen darf.

Sie leben offensichtlich im Garten Eden, in dem Gewinne den Unternehmen und den Eigentümern zustehen, Verluste aber auf die Gemeinschaft der Steuerzahler umzulegen sind.

Kein verständiger Mensch will hierzulande den Unternehmern die Gewinne streitig machen. Aber diese Menschen erwarten von ihnen, daß sie in schlechten Zeiten auch das Risiko tragen, von dem sie so gern sprechen. Wer eine freie Unternehmerwirtschaft für die beste hält, muß über das kurzsichtige Verhalten der Autoindustriellen betrübt sein. Denn in der gesellschaftspolitischen Diskussion unserer Tage wird die Stellung der Unternehmer durch solche Aktionen nicht gestärkt.