Mehr Wehrgerechtigkeit

Ein Teilproblem der Wehrgerechtigkeit erscheint im Augenblick gelöst: Gegenwärtig hält sich die Zahl der anerkannten Kriegsdienstverweigerer und die Zahl der Plätze im Zivildienst die Waage. Der Bundesbeauftragte für den Zivildienst, Hans Iven, verfügt derzeit in 4300 Einrichtungen über 20 550 Plätze für jene jungen Männer, die es aus Gewissensgründen ablehnen, Dienst mit der Waffe zu tun. Zu diesem Ausgleich hat freilich beigetragen, daß die Anträge auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer im letzten Jahr nicht wesentlich zugenommen haben. Ob sich die Balance auch in Zukunft halten läßt, ist angesichts der kommenden geburtenstarken Jahrgänge offen.

Dauern-Lektüre

Der ehemalige, inzwischen zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Präsidentenberater Charles Colson hat den Schleier darüber gelüftet, mit welchen Mitteln Richard Nixon die Moral im von Watergate bedrängten Weißen Haus hochhalten wollte. Vor dem Justizausschuß des Repräsentantenhauses teilte Colson mit, der Präsident habe seinem Stab, jedesmal wenn eine neue Belastungsprobe drohte, angeraten, sein Buch "Sechs Krisen" ("Six Crises") zu lesen. "Colson behauptet, er habe das Buch 14mal gelesen", meinte ein Ausschußmitglied. Richard Nixon hatte das Buch 1960, nach seiner Niederlage im Präsidentschaftswahlkampf gegen Kennedy, geschrieben.

Außer Verfolgung?

In den Vereinigten Staaten leben zur Zeit noch Tausende von NS-Kriegsverbrechern, behaupten Einwanderungsbehörden. Die New York Daily News, die zu diesem Thema eine Artikelserie startete, nannte die Namen von 123 ehemaligen Himmler-Beamten, darunter KZ-Kommandanten und Mitglieder der "Einsatzkommandos", die im Osten an Massenerschießungen beteiligt waren. Wie die Zeitung berichtet, leben sie alle "in Frieden und Wohlstand". In einigen Fällen hat die Bundespolizei die Überwachung übernommen. Nur bei drei Verdächtigen, so heißt es weiter, habe die Einwanderungszentrale belastendes Material zu den Akten genommen.

Eskimos in der Krise

Unter den Eskimos von Alaska bis Grönland breiten sich Geisteskrankheit, Alkoholismus und Kriminalität aus. Experten machen dafür den Schock verantwortlich, den das überstürzte Eindringen der europäischen und amerikanischen Zivilisation im Sozialgefüge der arktischen Jäger- und Fischervölker ausgelöst hat. In Alaska ist eine Selbstmordepedemie ausgebrochen. Die Zahl der Eskimo-Selbstmorde liegt dreimal höher als vor 15 Jahren. Die Fälle von Totschlag haben sich im gleichen Zeitraum verdoppelt. Aus Grönland wird ein erschreckendes Ansteigen von Kindesmißhandlungen sowie der Morde gemeldet, es sind bereits fünfmal mehr als in Dänemark. Weil die Eskimos auf moderne Methoden zur Behandlung ihrer seelischen und sozialen Krise nicht ansprachen, sollen jetzt einheimische Medizinmänner eingesetzt werden.