Von Jakob Vollmar

Das Schiff, von dem hier berichtet wird, ist bei den Veranstaltern airtours international, Axmann Reisen, Deutsche Jugend- und Studentenreisen, Seetours Hapag Lloyd im Programm. Zwar hatten sie, gleich nachdem sie durch unseren Mitarbeitern von den haarsträubenden Vorfällen auf der "Zeus" Kenntnis erhielten, die Reise storniert, bis das Schiff repariert war, dennoch bleiben Fragen offen: Wie konnte es passieren, daß die griechischen Behörden einen solchen Kahn für seetüchtig erklären? Wieso haben deutsche Reiseunternehmen ein Schiff in ihr Programm aufgenommen, das sie nie zuvor gesehen hatten? Ist also doch nicht jedes Programm "vorgetestet"? Bleibt der Urlauber weiterhin solchen unliebsamen Überraschungen ausgesetzt?

Daß ein Schiff nicht rechtzeitig den Hafen verlassen kann, ist in der Kreuzfahrtentouristik nichts Besonderes. Also murrten die 22 deutschen Touristen nicht, als sie in diesem Reisesommer vom Flughafen Athen nicht zur Motorjacht "Zeus", sondern zunächst einmal ins Hotel gebracht wurden – wie üblich in solchen Fällen der "höheren Gewalt" ohne Begründung. Am nächsten Vormittag wurde ihnen jedoch klar, warum sie zu diesem Zeitpunkt nicht, wie im Prospekt der Veranstalter airtours international, Axmann, Deutsche Jugend- und Studentenreisen, Seeadlerreisen und Seetours Hapag-Lloyd versprochen, auf der Insel Andros baden und bummeln konnten: Das Schiff war noch nicht fertig.

Mit ihren Koffern stolperten die 22 Touristen dennoch an Bord – über Farbkübel und Eisenteile. Gleichzeitig mit dem Urlaubergepäck war auch die Inneneinrichtung der Schiffsküche eingetroffen. Reeder Venetopoulos, Inhaber des Reiseunternehmens "Zeus Tours" in Athen, versuchte zu beschwichtigen: "Verstehen Sie bitte, wenn wir unterwegs am Schiff noch ein bißchen arbeiten müssen. Ein paar Handwerker machen die Reise mit." Zur Nervenberuhigung der Urlauber ließ Venetopoulos Freibier ausschenken.

Man wartete, die Handwerker klopften, und weitere Bestandteile des Schiffes wurden an Bord gehievt. Die 22 Urlauber, die für die "sieben sorglosen und unvergeßlichen Tage mit der seetüchtigen und komfortablen Jacht Zeus" (Prospekttext) einschließlich Flug zwischen 1120 und 1320 Mark bezahlt hatten, blieben guter Laune, und erfreuten sich der Programmimprovisation.

Doch die Stimmung schlug um, als – nach fachmännischer Inspektion – der einzige ältere Reiseteilnehmer, ein Kunsthändler aus W., gegenüber Reeder Venetopoulos feststellte: "Das hier ist keine Improvisation mehr, das Schiff ist eine einzige Baustelle!" Seine Frage, wie seetüchtig überhaupt der von einem alten Frachtschiff in eine moderne Touristenarche umgebaute 300-Tonnen-Kahn denn sei, beantwortete Venetopoulos mit dem Hinweis auf einen dunkel gekleideten Herrn hinter sich: "Das hier ist ein Herr des Marineministeriums. Er wird Ihnen jetzt gleich erklären, wie sicher das Schiff ist." Der Angesprochene murmelte etwas, was Venetopoulos so übersetzte: "Alle Sicherheitseinrichtungen sind überprüft." Pech für Venetopoulos, daß ein Urlauber, Referatsleiter beim Senator für Wissenschaft und Kunst in Berlin, die Antwort in Griechisch verstand. Der angebliche Mann vom Marineministerium hatte nämlich gesagt, er sei nur der Versicherungsagent, und er wolle sich da nicht einmischen.

Als das Schiff schließlich ablegte, kam noch ein Mann an Bord, der aus einem Zeitungspapier Eisenstäbe auspackte. Statt zu den südlich gelegenen Inseln schaukelte die "Zeus" nordwärts zum Handelshafen Piräus, wo merkwürdige, den Touristen unverständliche Manöver begannen. Lösung: Jetzt erst wurde auf der Brücke der Kompaß eingebaut und geeicht. Drei Stunden später war man wieder zurück am Ausgangspunkt der Fahrt, um den Mann mit den Kompaßwerkzeugen abzusetzen.