• Öl und Energiekrise haben nicht nur die Industrieländer vor neue Probleme gestellt, die Entwicklungsländer sind noch stärker betroffen. Muß die Entwicklungshilfe neu überdacht werden?

Todenhöfer: Nach der bisherigen entwieklungspolitischen Konzeption der Bundesregierung werden alle Entwicklungsländer unabhängig von ihrem Entwicklungsstand mehr oder weniger über einen Kamm geschoren. Diese Konzeption ist überholt. Wir brauchen jetzt eine Strategie der zwei Wege. Gegenüber den 35 bis 40 ärmsten Ländern sollte zumindest kurzfristig eine uneigennützige großzügigere Hilfe gewährt werden. Gegenüber den anderen Ländern sollte eine Politik eingeschlagen werden, die sich stärker an unseren eigenen Interessen orientiert.

  • Bedeutet das aber nicht Aufgabe der bisherigen Differenzierung nach ganz armen, nach bereits fortgeschrittenen Entwicklungsländern und jenen, die dazwischen liegen?

Todenhöfer: Das ist richtig. Gerade deshalb sollte unser Hilfsangebot flexibler als bisher sein. Es ist nicht immer nötig, Kredite zu zwei Prozent Zinsen zu geben. Je nach Entwicklungsland wird man Kapitalhilfekredite auch mit normalen kommerziellen Krediten mischen können.

  • Wie würden Sie mit den Ölländern verfahren, die zwar Geld haben, aber unterentwickelt sind?

Todenhöfer: Ihnen gegenüber wird man teilweise auf Kreditangebote verzichten können. Sie können sich ja auch technische Hilfe kaufen. Allerdings sollte die Beratung mit Know-how großzügiger sein als gegenüber hochentwickelten Industrieländern. Ich meine, auch bei den ölländern darf man nicht allein alles der privaten Wirtschaft überlassen. Staatliche Entwicklungshilfe ist auch hier nötig.

  • Sie sprachen von unseren Eigeninteressen. Ist das denn nicht das Gegenteil von Entwicklungshilfe?