Als ich gerade in Hamburg die Redaktion einer großen deutschen Wochenzeitung besuchte, drang schon, als ich aus dem Fahrstuhl trat, orientalische Musik an mein Ohr. Es duftete nach Moschus. Eine freundliche Dame sagte: "Folgen Sie mir bitte – die Dattelwein-Konferenz hat schon begonnen."

Am Konferenztisch trugen alle einen Burnus. Araber? Aber dann erkannte ich die mir vertrauten Gesichter der Redakteure, die sich an meiner Verblüffung zu weiden schienen. Leicht verstimmt meinte ich: "So habe ich mir den Hamburger Fasching immer vorgestellt". Warnende Blicke trafen mich. Sie deuteten diskret auf einen offenbar echten Orientalen im eleganten Savile-Row-Anzug.

Dr. B. zischte mir ins Ohr: "Mensch, Ebert, verderben Sie uns nicht alles. Diese Araber sind doch so empfindlich. Der ist übrigens aus Quatar."

"Habt ihr jetzt hier arabische Volontäre?"

"Allah ist groß – nein! Das ist der ständige Redaktionsvertreter unseres neuen Miteigentümers. Wir sind der zweite Fall dieser Art nach Krupp."

Man erklärte mir das so: "Die Araber bekommen von uns das Know-how, wie man eine Wochenzeitung macht. Dafür geben sie uns eine Kapitalspritze, wodurch wir noch unabhängiger sind."

Da zupfte mich Dr. Z. am Ärmel: "Können Sie uns schon etwas über Ihre nächste Glosse verraten?"