Warum mögliche Interessenten eine direkte Beteiligung an dem Photohaus scheuen

Auf die Frage, wie er es mit dem Führungsstil des Nürnberger Unternehmerrevolutionärs halte, antwortet Gustav Kampmann. Mitglied der siebenköpfigen Geschäftsführung der Porst-Gruppe und Vertreter des gegenwärtig im Urlaub weilenden Hannsheinz Porst, selbstbewußt: "Ich fälle meine Entscheidungen nicht im Kollektiv."

Gleichzeitig versichert er jedoch, daß er voll und ganz hinter dem ursprünglichen Mitbestimmungsmodell der Porst-Gruppe stehe. Die Divergenzen zwischen ihm und Porst hätten nichts mit diesem Modell zu tun, das auf "totale Mitbestimmung" und Kontrolle der Mitarbeiter und ihre Beteiligung am Unternehmensgewinn abgestellt ist; sondern höchstens mit dem Führungsstil. Kampmann: "Hier unterscheide ich mich von Porst."

Mitbestimmungsmodell und Führungsstil erweisen sich jetzt als größtes Handikap, nachdem Porst auf den sehr deutlichen Wink seiner Hausbank, der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft (BfG), auf Partnersuche gegangen ist. Man sucht, so Kampmann, einen neuen Mitgesellschafter, der "uns möglichst viel Freiheit läßt und möglichst wenige Abstriche am Mitbestimmungsmodell verlangt".

Anstößig daran sind, so räumt der 41jährige Porst-Vize ein, vor allem die "überparitätische Mitbestimmung" im Beirat und die alle zwei Jahre erforderliche Bestätigung der Vorgesetzten durch ihre Mitarbeiter und Kollegen.

Bei der BfG in Frankfurt möchte man den Eindruck verwischen, Porst sei von der Bank "unter Druck gesetzt" worden. Vorstandsmitglied Werner Schulz: "Wir haben Herrn Porst nur gesagt, er müsse sich allmählich Gedanken darüber machen, wie er seine Angelegenheiten in Ordnung bringen kann." Man habe, so Schulz, nur "Denkanstöße" und Ratschläge gegeben. Der BfG sei jede Lösung recht, bei der "das Unternehmen eine vernünftige Chance hat, weiterzuexistieren".

Nach Ansicht Kampmanns kommt "eine Beteiligung zwischen 25 und 100 Prozent" in Frage – theoretisch also auch ein Ausscheiden von Hannsheinz Porst. "Wir streben jedoch 49 Prozent an."