Mitten in der Autokrise meldet Fiat einen Umsatz-Boom

Energiekrise hin – Autokrise her: Der Turiner Fiat-Konzern ist seinen Konkurrenten im ersten Halbjahr 1974 mit Vollgas davongefahren. Spiegelt die Steigerung des Konzernumsatzes um 42 Prozent auf 5,7 Milliarden Mark auch die galoppierende italienische Inflation wider, so zeigt die Erhöhung des Wagenverkaufs um 16 Prozent auf 818 000 Fahrzeuge doch deutlich, daß Fiat nach den streikbedingten Rückschlägen der letzten Jahre wieder aufholt.

Daß Fiat nicht mehr ganz so pessimistisch in die nahe Zukunft zu sehen braucht, hat auch Präsident Giovanni Agnelli in seinem Halbjahresbericht an die Aktionäre bestätigt. Organisation und Produktionsprogramm seiner Gruppe hätten sich bewährt. Außerdem, so gab er zu verstehen, habe Fiat in den vergangenen sechs Monaten auch noch von den Auftragsreserven gezehrt.

Tatsächlich war des Geschäft mit den kleinen Fiat-Modellen in Italien derart günstig, daß der Turiner Konzern bei fast unveränderten Inlandszulassungen seinen Marktanteil von 59,4 auf 65,2 Prozent erhöhen konnte. Dieses Ergebnis zählt um so mehr, als Fiat mit seinen größeren Modellen ähnliche Schwierigkeiten hat wie die internationale Konkurrenz. Im Inland wird Fiat allerdings seit der Einführung des Bardepots am 8. Mai gegenüber der ausländischen Konkurrenz begünstigt.

Im Ausland zeigte Fiat ebenfalls neuen Schwung: Der Export wuchs um 12,5 Prozent auf 317 000 Wagen. Besonders glücklich operierten die Turiner dabei in den USA. Während Volkswagen dort kräftige Verluste hinnehmen mußte, blieb Fiat als einzige ausländische Gruppe vom Rückgang verschont, steigerte seinen Marktanteil sogar von 3,3 auf 4,3 Prozent. In der Europäischen Gemeinschaft außerhalb Italiens verbesserte sich Fiat von 4,8 auf 5,6 Prozent.

Mit der Beteiligung an Klöckner-Humboldt-Deutz hoffen die Turiner Autostrategen zudem auf eine Verstärkung gerade derjenigen Fahrzeugprodukte, die noch vor den Kleinwagen als am wenigsten anfällig in der Energiekrise angesehen werden. Fiat hat im letzten Halbjahr die Absatzzahlen für Lastwagen und Omnibusse um 42,6 Prozent auf 38 500 Stück verbessert. Daß die gemeinsame LKW-Holding im Ausland domizilieren wird und damit dem Zugriff der italienischen Gewerkschaften entzogen ist, kann sich für Fiat als äußerst wichtig im künftigen Wettbewerb erweisen.

Anfang dieses Jahres produzierte Fiat noch mit beträchtlichem Verlust. Ob sich das nach zwei Preiserhöhungen geändert hat, ging aus dem Zwischenbericht an die Aktionäre nicht hervor. Mehrere Gründe sprechen jedoch dafür, daß es Fiat jetzt finanziell besser geht.