Kooperation mit dem Iran – als Anlagemodell für Olmilliarden

Von Hans Otto Eglau

Krupp im Teilbesitz der Perser – der deutscheste aller deutschen Industrie-Konzerne, die einstige Waffenschmiede für Kaiser und Führer! Noch vor gar nicht langer Zeit wäre dies eine phantastische Vorstellung gewesen. Man stelle sich den Ausbruch nationaler Emotionen vor, den die in der letzten Woche bekanntgegebene Beteiligung des Iran an den Fried. Krupp Hüttenwerken etwa im Sommer 1967 ausgelöst hätte, als der Schah von Demonstranten mit Tomaten und faulen Eiern empfangen wurde.

Inzwischen hat sich die Lage radikal verändert. Zwar sorgten die Krupp-Unterhändler Berthold Beitz und Ernst Wolf Mommsen noch immer für eine Sensation, als sie ihr lange gehütetes Geheimnis preisgaben; doch etwas Unwirkliches, Unfaßbares bedeutete die Nachricht aus Essen nicht mehr. Dazu hat die Ölkrise auch hierzulande das allgemeine Bewußtsein der Menschen und damit auch die Einstellung gegenüber den Ölstaaten des Nahen Osten verändert.

Neue Stahlachse

Es entspricht praktischer Vernunft, daß Krupp der wiederholten Aufforderung des Schah zu einer deutsch-iranischen Industrie-Kooperation genügt hat. Durch den Verkauf eines Viertels seiner Stahlproduktion fließen dem finanziell nicht gerade reich gesegneten Montanunternehmen dringend benötigte Investitionsmittel in die Kasse. Gleichzeitig darf der Konzern jetzt hoffen, über die gemeinsam mit den Iranern gegründete Investitionsgesellschaft in der Schweiz endlich stärker ins internationale Geschäft mit kompletten Industrie-Anlagen vorzustoßen.

Wie wird es weitergehen, nachdem mit dem Iran zum erstenmal ein Öl-Förderland des Nahen Ostens Großaktionär eines führenden westlichen Industrie-Konzerns geworden ist? Mit ihrer Vokabel von einem "Modell" für weitere Schritte lieferten die Väter der neuen Stahlachse Essen-Teheran selbst den Stoff, aus dem die Träume euphorischer Industriepolitiker sind. Schon geistert die Vorstellung durch manche Köpfe, daß "die Scheichs" bald auch in den Aufsichtsräten anderer renommierter Firmen wie VW, Bayer oder Siemens Platz nehmen werden.