Von Rudolf Walter Leonhardt

Kampen/Sylt

Man weiß, daß Westerlands Kurdirektor Petersen für sich und seine Stadt das Beste will. Daß dies gleichzeitig das Beste für die Insel Sylt und ihre Feriengäste sei, glaubt Petersen. Und wer es nicht glaubt, auf den ist er wütend. Früher war sein selbstgewählter Feind mit Vorliebe die Presse, darunter auch die ZEIT.

Nun wurde also jenes Gutachten der schleswigholsteinischen Landesregierung veröffentlicht, das in großer Ausführlichkeit Probleme von Sylt darstellt, die wir mit bescheideneren Mitteln schon vor zwei Jahren dargestellt haben. Dadurch sind auf einmal für Kurdirektor Petersen, Bürgermeister Schilling und kommunalpolitischen Parteigänger die eigene Regierung und vor allem ihr Innenminister zum Sylt-Feind Nr. 1 geworden.

Mit der Presse hatte man es sich noch leicht machen zu können geglaubt: die lügt. Regierungsamtliche Gutachter bezeichnet man dagegen nicht so gern als Lügner. Daher zog man zwei andere Verteidigungsschläge vor:

  • Es ist alles nicht so schlimm.
  • Es ist unfair, so etwas gerade in einem verregneten Juli zu veröffentlichen, da Sylt ohnehin Schwierigkeiten genug hat, die Betten zu füllen.

Und in der Tat: Nicht alles ist schlimm, und der Veröffentlichungstermin war gewiß nicht besonders glücklich gewählt. Von den Vorwürfen und Ratschlägen der Gutachter hält jemand, der inzwischen jede Düne und jede Kneipe der Insel länger als zwanzig Jahre kennenzulernen Gelegenheit hatte, einen für fragwürdig, zwei für viel zu undifferenziert, einen für zweischneidig und zwei für eminent wichtig und richtig.