Irgendwo in Süddeutschland ist eine Schülerzeitung verboten worden. Von Seiten der Lehrerschaft! Wegen eines sexuellen Witzes! Wir haben uns bei edlem Wein und dennoch ziemlich ernsthaft darüber unterhalten. Zwei schöne Frauen, zwei Ärzte und ich. Wir haben etwas Morgenrot gesehen.

So, wie im Augenblick der Verbotsort nicht näher eruiert werden konnte – "Wartet mal, ich komm’ noch drauf!" –, war auch die Originalfassung des Verbotswitzes nicht wörtlich zu rekonstruieren.

Auf jeden Fall geht da ein ahnungsloses, aber gutwilliges Zebra zu einem Bauernhofe. Es fragt das Huhn: "Was machst du hier?" – "Ich lege Eier. Aber laß nur! Das kannst du nicht!" und zeigt ihm das Hinterteil. Die Kuh entgegnet: "Was ich hier mache, ich gebe Milch. Aber das wirst du niemals können." Und läßt kokett das Euter schaukeln. Da fragt das Zebra den schweren, aber kameradschaftlichen Bullen: "Ich mache kleine Tiere. Das kannst du auch. Mußt bloß deinen Schlafanzug ausziehen!"

Soweit der Witz, der, einmal gedruckt, die Lehrerschaft der höheren Schule zur Konferenz zusammentreten ließ, wo denn auch wirklich, wie gesagt, das Verbot der Schülerzeitung ausgesprochen wurde.

Wir saßen also beim Wein und glaubten zu träumen, und vor dem Fenster war etwas Ostsee sichtbar, mit vielen nackten Menschen am Strand. Und wir sagten uns: In dieser unserer Gegenwart, wo schon die Sextaner, ja, schon die Kinder vom zweiten und dritten Schuljahr aufgefordert werden, nicht mehr an den Storch zu glauben, in dieser unserer Epoche, wo sogar solche Kleinen, die nichts davon wissen wollen, darüber aufgeklärt werden, wie sie zur Welt gekommen sind und ob es ihren blöden Eltern auch etwas Spaß gemacht hat – was wir, weil eventuell Komplexe ja sehr gefährlich sind, doch alle hoffen wollen, die ganze Klasse! – in dieser Epoche des geistigen Lichtes gehen Lehrer hin, wagen es und stellen fest: "Dieser Zebrawitz ist ein Sauwitz!" und sprechen das Verbot aus. Und damit nicht genug, die Lehrer setzen das Verbot der Schülerzeitung auch durch:

Ja, in welcher Zeit leben wir denn? Nicht mehr in einer Zeit, wo die Kinder den Lehrern den Vogel zeigen? Wo die Schüler brüllen, wenn die Lehrer die Klasse betreten. Wegen nix. Nur so. Sollten sich die Zeiten tatsächlich geändert haben? Still und lautlos? Sollte es möglich sein, daß wieder die schönen, klugen Störche fliegen können. "Storch, Storch, Guter, bring mir einen Bruder! Storch, Storch, Bester, bring mir eine Schwester!"? Sollte es soweit kommen, daß artige Kinder in Anwesenheit der Erwachsenen gewisse, ihnen tief vertraute Ausdrücke nicht mehr nennen, daß brave Jugendliche bestimmte Witze nicht mehr erzählen, mit einem Wort: daß im Kampf der Generationen die Eltern und die Lehrer wieder Überhand gewinnen?

In diesem Falle, so meinten wir beim Wein und dennoch leidlich ehrlich – sollte das Zebra das Wappentier der Professoren, Studienräte und Lehrer werden und die schwarz-weiß-gestreifte, pyjamaartige Fahne das Banner ihrer internationalen Berufsverbände sein!