Post von Gerling erhielten dieser Tage die geschädigten Privatsparer der Kölner Herstatt-Bank. Genauer: von dem durch Generalkonsul Hans Gerling gegründeten und mit 30 Millionen Mark ausgestatteten "Sparer- und Investor-Schutzfonds". Doch was sie erhielten, war nicht etwa die langersehnte Mitteilung über die bevorstehende Auszahlung ihres Geldes, sondern ein Fragebogen:

Wissen will der Herstatt-Großaktionär darin, ob die Kunden seiner Bank Witwenrente oder Beamtenpension beziehen, wieviele unterhaltsberechtigte Kinder sie haben, wie hoch ihr monatliches Bruttoeinkommen ist und noch mancherlei mehr. Was die peinliche Befragung durch den Kölner Versicherungsboß bezweckt, ist nicht schwer zu erraten. Gerling ist offensichtlich nicht mehr bereit, alle privaten Einleger mit Guthaben von mehr als 20 000 Mark (die unter diesem Limit liegenden Kunden werden durch den "Feuerwehrfonds" der Banken entschädigt) voll zu befriedigen. Nur für die Bedürftigsten will der Mann, der als Aufsichtsrats-Vorsitzender von Herstatt eine besondere Verantwortung hatte, mit seinem Privatvermögen einstehen.

Noch vor wenigen Wochen ließ Hans Gerling die moralische Pflicht zur Entschädigung aller privaten Sparer ungeteilt gelten. Gegenüber der ZEIT deutete er sogar an, seinen Fonds notfalls aufzustocken, falls bei einer niedriger als 80 Prozent ausfallenden Vergleichsquote die Fondsmittel nicht zur Befriedigung aller privaten Ansprüche ausreichen sollten.

Mit 80 Prozent Quote rechnet kaum noch jemand. Aber von seiner moralischen Verpflichtung gegenüber allen Sparern will Generalkonsul Gerling offenbar nicht mehr viel wissen. Wenn der Mann hinter Her statt mit einer gespaltenen Moral nur seinen eigenen Ruf aufs Spiel setzte–es wäre auszuhalten. Das Schlimme aber ist, daß durch das Verhalten Gerlings die gesamte Wirtschaftsordnung in den Augen breiter Kreise an Überzeugungskraft verlieren muß. Eg.