Mit der beabsichtigten Verschmelzung der Vereinsbank in Hamburg (Bilanzsumme 2,8 Milliarden Mark) und der Westbank AG, Husum/Hamburg, (Bilanzsumme 2,3 Milliarden) zur Vereins- und Westbank AG entsteht in Hamburg ein Institut, das in der Rangliste deutscher Privatbanken an siebter Stelle tangiert. Höhere Bilanzsummen weisen die drei Großbanken, die beiden bayerischen Regionalinstitute, sowie die Berliner Handelsgesellschaft – Frankfurter Bank auf.

An der Börse, meine verehrten Leser, wird der Zusammenschluß "an sich" begrüßt, weil hier etwas betriebswirtschaftlich Vernünftiges entsteht, was auf die Dauer vermutlich auch für die Aktionäre vorteilhaft sein wird. Diese Erkenntnis schließt indessen nicht aus, daß man sich Gedanken über den Wert einer Vermögensanlage in den Papieren der neuen Bank machen muß.

Der Kurs der Vereinsbank-Aktie (50 Mark-Stück) liegt mit 300 Mark noch über dem der Deutschen Bank (246 Mark), obwohl beide Institute seit Jahren neun Mark auf ihre Aktien ausschütten. Daß die Ertragskraft der Vereinsbank besser ist als die der Deutschen Bank, wird nirgends sichtbar.

Wenn die Vereinsbank-Aktie relativ höher bewertet wurde, dann lag dies in erster Linie an ihrem engeren Markt, der eine aktive Kurspflege erleichterte. Dies zum Vorteil der Bank, die es immerhin schaffte, sich neues Aktienkapital über eine Wandelanleihe zum Kurs von 285 Mark je Aktie zu beschaffen. Daß die Bayerische Vereinsbank als Schachtelaktionär mitmachte, zeigt, daß die Münchener viel Verständnis für ihren Partner an der Elbe hat.

Dies ist auch jetzt wieder der Fall. Die Bayern haben der Verschmelzung mit der Westbank zugestimmt, wobei es ihnen darauf ankam, auch an dem größeren Institut wieder mit 25 Prozent beteiligt zu sein. Das heißt: Sie mußten wieder Geld investieren, um neue Aktien zu hohen Preisen zu übernehmen.

Nun zum Westbank-Kurs. Bis zur Bekanntgabe der Verschmelzungsabsicht lag er bei 500 Mark für die 50-Mark-Aktie – und dies schon seit Monaten. Die Westbank-Aktionäre kassieren 9,50 Mark Dividende und wurden in der Vergangenheit mit Gratisaktien oder günstigen Bezugsrechten verwöhnt. Aber der hohe Kurs von 500 war dennoch kaum mit guten Taten in der Vergangenheit zu rechtfertigen. "Analytisch war er überhöht", ist die Meinung der Börsenanalysten.

Wenn der Vorstand gleichwohl bemüht, war, ihn hochzuhalten, dann aus Furcht vor einem unerwünschten Aufkäufer. Mit ihrem Aktienkapital von zuletzt 29 Millionen Mark hatte die Westbank eine Größe, bei der ein Schachtelerwerb für potente Gruppen noch finanziell darstellbar war. Bezeichnenderweise heißt es im Aktionärsbrief der Westbank denn auch, daß sich in letzter Zeit "unerwünschte Veränderungen in der Zusammensetzung des Aktionärskreises ergeben hat? ten" und dies ein Grund dafür ist, die Verschmelzung mit der Vereinsbank vorzunehmen.