Zwei überraschende Ereignisse bestimmten am Dienstag die politische Szene im östlichen Mittelmeer: der Rücktritt der griechischen Regierung (verbunden mit dem Ruf an den Exilpolitiker Karamanlis, ein neues Kabinett zu bilden) und der Wechsel im zyprischen Präsidentenamt: Nikos Sampson räumte seinen Sessel für Glafkos Klerides.

Eine Veränderung in der griechischen Regierung hatte sich schon am Vortag angedeutet. Gerüchte über einen Putsch eines Armeekorps in Saloniki wollten nicht verstummen, obwohl sie von keiner Seite bestätigt wurden. Am Dienstag kamen dann ehemals führende Politiker des Landes mit Staatspräsident Gizikis zusammen und berieten sechs Stunden lang. An dem Gespräch beteiligten sich dem Vornehmen nach die früheren Ministerpräsidenten Kanellopoulos und Stephanopoulos sowie die Ex-Minister Averoff, Palamas, Markezinis, Mavros und Yarousalias.

Der Nachricht vom Rücktritt der Regierung Androutsopoulos folgte unmittelbar die Neuigkeit, daß Präsident Gizikis den ehemaligen Ministerpräsidenten Karamanlis, der seit der Machtübernahme der Militärs im Jahre 1967 im Pariser Exil lebt, zur Rückkehr in die Heimat und zur Bildung der Regierung aufgefordert hat. Karamanlis kehrte am Dienstag zurück und wurde schon am Mittwochmorgen vereidigt.

Der neue Präsident Zyperns hat schon unter Präsident Makarios eine wichtige politische Rolle auf der Insel gespielt. Ernennung wird als ernsthafter Versuch des Regimes in Nikosia gewertet, zu einer Friedensregelung mit der Türkei zu gelangen. Klerides hatte während der Herrschaft von Makarios Verhandlungen mit Vertretern des türkischen Bevölkerungsteils der Insel über das Zusammenleben beider Volksgruppen geführt. Er genießt daher auch unter den türkischen Zyprern Ansehen.

Der 55jährige Jurist, der im Zweiten Weltkrieg als Angehöriger der britischen Luftwaffe in deutsche Gefangenschaft geraten war, war zuletzt Präsident des Parlaments.

Sein Vorgänger im Präsidentenamt – für nur acht Tage – hatte besonders wegen seiner gewalttätigen Vergangenheit beim Kampf gegen die Briten im Ausland zunehmend kritische Aufmerksamkeit gefunden. Sampson erklärte in einer Rundfunkrede, Klerides sei auf Grund seiner Erfahrungen besser für das Amt des Präsidenten geeignet als er selbst. Er trete mit einem reinen Gewissen zurück. Seine Handlungen seit dem Putsch am 15. Juli seien von seinem Wunsch bestimmt gewesen, einen Bürgerkrieg zu verhindern. Klerides seinerseits betrachtet sich nach seinen Worten nur als Interimspräsident, wodurch die Chancen für Makarios, in sein Amt zurückzukehren, wieder gestiegen sind.