Von Florian Bohrer

Auch die sinkenden Geburtenzahlen in fast allen Industrieländern ändern nichts daran: Täglich nimmt die Weltbevölkerung um 200 000 Menschen zu. In 26 Jahren, zur Jahrtausendwende, werden sich etwa sieben Milliarden Menschen auf dem Globus drängeln. Und sehr viele von ihnen werden hungern. Um alle Menschen auch nur einigermaßen ernähren zu können, müßte die gegenwärtige Nahrungsmittelproduktion um 320 Prozent gesteigert werden.

Wo jedoch – angesichts expandierender Dürregebiete in volkreichen Gebieten – die Wassermassen für die künstliche Berieselung neuer Getreidefelder hernehmen? Wo sind die zusätzlichen Flächen, auf denen Reis und Weizen, Bohnen und Gerste angebaut werden könnten–vorausgesetzt, es käme zu einem Konsens zwischen Arm und Reich, die Nahrungsmittelproduktion weltweit zu planen, zu steuern und die Ernten gleichmäßig auf alle zu verteilen?

Riesige Landflächen liegen derzeit brach, obwohl Pflanzen auf ihnen wachsen, die freilich den Nachteil haben, daß weder Mensch noch Tier sie genießen können: Die für Nutzpflanzen ungeeigneten Ländereien in Israel und Indien, in Mexiko und Florida werden von Salz- und Brackwasser versorgt.

Doch die Aussichten, daß diese Landstriche dereinst doch noch unter den Pflug genommen werden können, bessern sich seit kurzem. Unter der Leitung des Ozeanographen John D. Isaacs hat am Scripps Institution of Oceanography in La Jolla (US-Staat Kalifornien) ein vierköpfiges Team mit einem Forschungsprogramm begonnen, dessen weitgestecktes Ziel die Heranzüchtung von Nutzpflanzen ist, die Salz- oder salzhaltiges Wasser tolerieren.

Peta J. Mudie, Biologin des Isaacs-Teams und die Genetikerin Anne Radlow sowie zwei technische Mitarbeiter müssen nahezu bei Null anfangen. Denn bislang sind die pflanzenbiologischen Abläufe, die es ermöglichen, daß eine Pflanze salzigem Wasser widerstehen kann, kaum erforscht worden. Allgemein heißt es: Nutzbare Pflanzen können salzhaltiges Wasser nicht vertragen. Resultat solcher Einstellung war es, so Scripps-Biologin Peta Mudie, daß "viele Bewässerungsvorhaben ausgerichtet waren darauf, salzhaltiges Grundwasser durch Unmengen von Süßwasser allmählich auszulaugen; zusätzlich wurden Kalzium- und Magnesium-Verbindungen der Erde zugefügt, um den Boden urbar zu machen".

Diese eher stümperhafte Einfach-Methode wollen die kalifornischen Wissenschaftler jetzt auf Grund ihres systematischen Forschungsvorhabens durch eine fundiertere Lösung ersetzen. Zunächst soll ein Katalog sämtlicher salzwassertoleranten Pflanzen (biologische Bezeichnung: Halophyten) aufgestellt werden. 550 Halophyten hat Biologin Mudie bereits verzeichnet; jede vierte dieser Pflanzen, so hofft die Wissenschaftlerin, soll dereinst durch Heranzüchtung zumindest als Futterpflanze Verwendung finden können. Bevor mit gezielten Zuchtversuchen begonnen werden kann, müssen die US-Forscher allerdings zunächst die genetischen Mechanismen entschlüsseln, die Halophyten vor den Auswirkungen des Salzwassers schützen.