Nach der Übernahme von Telefunken Computer will Siemens verstärkt den Markt für Großcomputer erschließen.

Mit der Übernahme der Telefunken Computer GmbH (TC) in Konstanz durch die Siemens AG hat die Branche seit Monaten gerechnet. Dennoch schlägt der Erwerb für die Wettbewerbsposition von Siemens, das seit dem vergangenen Jahr das Computer-Geschäft gemeinsam mit Philips und dem französischen Unternehmen Compagnie International de Informatic (CII) innerhalb der Unidata-Gruppe betreibt, nur wenig zu Buch.

Zu der vorangegangenen Verbindung des Elektrokonzerns AEG-Telefunken mit dem Paderborner Kleincomputer-Hersteller Nixdorf in der TC war es Anfang 1972 nur deshalb gekommen, weil sich Siemens dem Wunsch des damaligen Forschungsministers Hans Leussink nach einer Großrechner-Union mit der AEG versperrt hatte. Siemens hielt den Großrechnermarkt (Geräte mit einem Kaufpreis von mehr als acht Millionen Mark) für zu klein. Siemens zeigte damals "Mut zur Lücke" und konzentrierte sich auf mittelgroße Computer.

Heinz Nixdorf traute es sich dagegen zu, dem erfolglosen Großrechner TR 440 der TC einen Markt zu erschließen. Die Enttäuschung war groß, als die Paderborner erkennen mußten, daß sie die Probleme unterschätzt hatten. Bei einem Jahresumsatz von nur 136 Millionen Mark 1973 verbuchte TC in den vergangenen beiden Jahren 86 Millionen Mark Verlust, für den AEG-Telefunken noch allein aufkam. Da jedoch AEG’s gleichberechtigter Partner Nixdorf Computer von 1974 an das Defizit sur Hälfte hätte mittragen müssen, blies Heinz Nixdorf vor einem dreiviertel Jahr zum Rückzug.

Bonn suchte von nun an erneut das Gespräch mit Siemens. Obwohl der Elektrokonzern selbst im laufenden Geschäftsjahr 1972/73 in dir Datenverarbeitung 180 bis 190 Millionen Mark Verluste verkraften mußte, zeigte er Verständnis für die Nöte von AEG, Nixdorf und den Bonner Forschungsförderern. Siemens-Chef Bernhard Plattner begründete den Umschwung in der Geschäftspolitik: "Im Gegensatz zu früher haben wir den größeren Markt der Unidata".

Daneben soll offensichtlich auf den Goodwill-Effekt gegenüber Bonn wie schon bei der Übernahme des kleinen Rechnerbauers Zuse in Bad Hersfeld angespielt werden. Auch wenn die TC, die jetzt als Computer-Gesellschaft Konstanz GmbH firmiert, von Siemens allein übernommen wird, ist der Schritt mit den Unidata-Partnern abgestimmt und auf einen größeren Verbund gezielt.

Vermutlich brauchte Siemens nur einen kleinen Teil des Stammkapitals von 20 Millionen Mark bar bezahlen – mit Rücksicht auf die Mieteinnahmen aus 72 installierten Anlagen im Wert von 430 Millionen Mark. Davon abgesehen, bilden die 1430 Beschäftigten in Konstanz ein auch für Siemens interessantes Potential qualifizierter Arbeitskräfte.

Doch das Engagement in Konstanz bringt auch Probleme mit sich. Siemens muß das Nachfolgemodell für die TR 440 technisch weiterentwickeln und auf die sechs Typen der ersten Unidata-Generation stimmen. Dabei ist die Koordinierung mit der CII, die innerhalb des Verbunds für große Rechner zuständig ist, am wichtigsten und vermutlich auch am schwierigsten.