Die schwere Krise der deutschen Baumaschinenindustrie erweist sich als Gefahr für die Renommiermesse der Branche, die Münchner "Bauma".

Die Baumaschinenhersteller, die auf Grund der Auftragsentwicklung in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 1974 mit einem Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent (im Inland allein von 30 Prozent) rechnen, wollen die vom 27. Februar bis 5. März 1975 angesetzte "Bauma" ausfallen lassen. Abgesehen von dem Wunsch, die hohen Messekosten einzusparen, streben sie eine konjunkturpolitische Signalwirkung Bonn gegenüber an: Wie könnte die "katastrophale Lage" der Branche – so Geschäftsführer Hein Kroos von der Fachgemeinschaft Bau- und Baustoffmaschinen im Verband der deutschen Maschinenbauanstalten (VDMA) – drastischer als durch einen Ausfall ihrer wichtigsten Messe demonstriert werden?

Auf der Beiratssitzung der Bauma Anfang Juli ist diese Auffassung unverhohlen zum Ausdruck gekommen. Inzwischen führen alle an der Bauma interessierten Verbände eingehende Umfragen bei ihren Mitgliedern durch, deren Ergebnis Ende Juli bei einer neuen Sitzung des Beirats vorgelegt werden soll. Schon heute läßt sich absehen, daß die Empfehlung lauten wird: Verzichtet, auf die Bauma 1975.

Während bei der Münchner Messe- und Ausstellungs GmbH (MMG) noch die Meinung vorherrscht, man sollte die Bauma als eine internationale Informationsmesse trotz der miserablen Baukonjunktur im Inland veranstalten, ist doch abzusehen, daß Abstriche von dieser Haltung unvermeidlich sein werden. Auch in München weiß man, daß eine Messe gegen die Empfehlung des VDMA nicht stattfinden kann. Allerdings fürchten die Münchner, andere Messestädte könnten versuchen, in das Vakuum zu stoßen und die Bauma in München auch für spätere Jahre in Frage stellen. Ohnedies ist geplant, nach 1977 vom zwei- zum dreijährigen Turnus überzugehen.

Verbandsgeschäftsführer Kroos versichert, daß man alles tun werde, um die Münchner Bauma und ihre Weltgeltung zu stärken: "Die Bauma ist Hannover an Attraktivität um Längen voraus." Der VDMA strebt deshalb schon jetzt München gegenüber eine feste Zusage für 1977 an. Vielleicht, so räumt Kroos ein, könnte man sogar schon 1976 etwas tun. Eine Bauma 1976 ist allerdings wegen der mehrjährigen Verträge für Hannover in den Bauma-freien Jahren und der französischen Messe in Paris nur schwer zu realisieren. Mit ihr und der Veranstaltung im britischen Birmingham soll die Münchner Messe künftig im Drei-Jahres-Rhythmus abwechseln. In München überlegt man einstweilen, ob eine "Spar-Bauma" nicht auch die erhoffte Signalwirkung haben könnte. bö