Trotz einer kräftigen Belebung auf dem wichtigen US-Markt muß Porsche Mitarbeiter entlassen.

Nun versüßt auch Porsche, Deutschlands kleinster und exklusivster Autohersteller, ausscheidenden Mitarbeitern mit Prämien den Abschied. Wie man es von den Zuffenhausenern auch auf anderen Gebieten erwartet, haben sie sich hier besonderes einfallen lassen.

Anders als VW und Opel vor einigen Wochen hängen sie nicht ein Angebot, gegen Geld zu kündigen, einfach ans schwarze Brett. Davon können Mitarbeiter Gebrauch machen, die man wegen ihrer Qualifikation auch weiterhin benötigt. Die Porsche-Leute wählten einen gnadenloseren Weg: Sie kündigen – allerdings ohne Massenentlassungen vorzunehmen – von sich aus; erleichtern nur den Ausscheidenden den Abschied durch Zahlung von ein bis drei Monatsgehältern, je nach Alter und Betriebszugehörigkeit.

Wie viele Mitarbeiter Porsche auf diesem Wege verlassen müssen, war nicht zu erfahren. Es heißt lediglich, die Zahl der Arbeitnehmer werde sich von 4050 zu Beginn dieses Jahres vermutlich bis Ende 1974 auf rund 3300 verringern. Ein genereller Einstellungsstopp hat ohne die Prämien-Regelung den Mitarbeiterstand schon zur Mitte des Jahres auf 3640 vermindert. –

Danebengeht die Kurzarbeit weiter. Monat für Monat fällt eine Woche aus, erst kürzlich vom 15. bis zum 19. Juli. Im Anschluß an die Betriebsferien ist Mitte August die nächste Kurzarbeitsperiode fällig.

Denn dem Unternehmen geht es "unverändert schlecht". Das gilt ohne Einschränkung für den deutschen Markt und die europäischen Exportländer. In der Bundesrepublik fehlten im ersten Halbjahr 1974 im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode fast 50 Prozent der Verkäufe. Nur noch 12C0 Porsches fanden neue Liebhaber.

Wesentlich belebt zeigt sich dagegen nach den Einbrüchen der ersten Monate das wichtige US-Geschäft das in anderen Jahren für rund 40 Prozent des Absatzes sorgte. Hier wurde im Mai sogar ein neuer Verkaufsrekord erzielt, so daß der Halbjahresverlust auf etwa ein Fünftel beschränkt blieb. So recht erklären kann man sich bei Porsche diese sprunghafte Besserung nicht. Jedenfalls scheint es sich in den Vereinigten Staaten um konjunkturelle, nicht strukturelle Entwicklungen zu handeln.

Doch die Bäume wachsen auch in Amerika nicht in den Himmel. Fast dreiviertel der gegenwärtigen Fahrzeug-Halde in einer geschätzten Größenordnung von 2500 Autos lagern noch in Übersee. rf