Auf Zypern trat am Montag ein – zeitweilig unterbrochener – Waffenstillstand in Kraft, doch ein genauer Termin für die Aufnahme der Drei-Mächte-Verhandlungen über die Zukunft der Insel im östlichen Mittelmeer stand noch nicht fest. Am vorgesehenen Konferenzort Genf verlautete, möglicherweise würden die Gespräche zwischen Griechenland, der Türkei und Großbritannien – den Garantiemächten des Zypern-Abkommens von 1960 – erst in der kommenden Woche beginnen.

Der Waffenstillstand ging auf den Appell des UN-Sicherheitsrates und auf Drängen des amerikanischen Außenministers Kissinger zurück. Ihm stimmten kurz darauf die Türkei, Griechenland und dann die Regierung Zyperns zu. Über die Erfolgsaussicht der Konferenz äußerte sich Kissinger in einer Pressekonferenz am Montag in Washington optimistisch. Inzwischen sind die Chancen durch den Regierungswechsel in Athen und die Ablösung des Präsidenten Sampson auf Zypern gestiegen.

Anlaß der Krise und Auftakt zu einer weltpolitisch dramatischen Woche, in der Gefahr drohte, daß die Nato-Partner Türkei und Griechenland unmittelbar aneinandergeraten und traditionelle Feindschaften wiederbeleben würden, war der Sturz des zyprischen Staatspräsidenten Makarios am Montag voriger Woche durch die Nationalgarde gewesen. Makarios, von den Rebellen als tot gemeldet, war aus dem Palast entkommen und von den Engländern in Sicherheit gebracht worden.

Die Chronik der Ereignisse nach der Entmachtung des weltlichen und kirchlichen Oberhauptes der Insel:

Dienstag, 16. Juli: Die Putschisten setzen den Zeitungsverleger und früheren Untergrundkämpfer Nikos Sampson als Staatspräsidenten ein. Der Widerstand der Makarios-Anhänger auf der Insel erlahmt. Türkische Truppenkonzentrationen an der Südküste Kleinasiens.

Mittwoch, 17. Juli: 14 von 15 Natoländern fordern in Brüssel die Abberufung der griechischen Offiziere auf Zypern. Der griechische Vertreter im Natorat wendet sich dagegen. Das Athener Militärregime gerät international in die Isolierung; es wird für den Putsch verantwortlich gemacht. Makarios und der türkische Ministerpräsident Ecevit konferieren in London.

Donnerstag, 18. Juli: Sondermission des amerikanischen Staatssekretärs Sisco, der auf die Garantiemächte des Zypern-Abkommens mäßigend einzuwirken sucht. Weitere Truppenmassierung an der türkischen Südküste.